442 ZU DEN MÄRCHEN.
von der elbe wirt entsehen vil maniger man,also wart ich von grözcr liebe entsehen,
d. h. von der Alb wird es manchen Leuten angethan, so ist es
mir angethan worden von der Liebe. Die Bedeutung von entsehen
bestätigt folgende Stelle aus dem ungedruckten Eraclius Z. 3329—35.
ich sage iu guotiu märe,
sprach diu alte, do sie sie ersach,
iuwers kindes ungemach
kan ich wol vertriben,
hie geredet undor uns wiben,
ich hän in gesegent, er was entsehen,
im sol arges niht geschehen.
Neben dieser beschränkten Bedeutung von nächtlichem, dieMenschen reitendem Gespenst mag noch die ältere und ursprüng-lich allgemeinere für Geist überhaupt bestanden haben, wie sichtheils aus dem Eiberich der Nibelungen und des Heldenbuchs,theils aus einer Stelle in der Verdeutschung der ovidischen Meta-morphosen (Buch V, Cap. 9) folgern lässt, wo der Ausdruck dieEiben undElbinnen vorkommt. Wahrscheinlich hat ihn Wikramin dem durch ihn umgearbeiteten Werke Albrechts von Halberstadtbereits vorgefunden.
Heutzutage dauert in Deutschland bloss der Aberglaube vondem Reiten und Drücken des Alp>s mit dem alten Namen fort;was sonst von den Geistern zu erzählen ist, tuird den Zwergen,Wichtein zugeschrieben, nicht den Eiben, wieioohl dieser Atisdruckselbst noch in den späteren Hexenprocessen mitunter gebraucht zuwerden scheint 1 '). Der unhochdeutschen, nie unter dem Volk ge-bräuchlichen Wortform Elfen hätten wir uns enthalten, wenn sienicht von den Dichtern des vorigen Jahrhunderts in Übersetzungenaus dem Englischen, ohne die Eigenheit unserer Mundart zu be-achten, aiigenommen und nun einmal eingeführt worden wäre.
2) Aus der deutschen Spirache haben auch die Franzosendas Wort Alb für Geist überkommen, sie verwandelten es abernach ihrem Organ in Aube. nämlich so muss der in einer alt-französischen Volkssage auftretende Auberon, später Oberon, ver-standen werden. Er entspricht etwa unserem Elb er ich und hat
') v(jl. Pomarius colleg.. synopt. phys. disp. IS. sent. 23. 24. 26. und PrätoriusWeltbeseiireib. I, 181. 182.