ÜBER DIE ELFEN. 409
stürzt ein und jede Unternehmung schlägt fehl. Wird er er-kannt und bedroht, so macht er sich unsichtbar oder entflieht,er scheut das fliessende Wasser, und bringt man ihn über eineBrücke, so springt er hinab und auf den Wellen sitzend spielter sein Instrument und kehrt zu den Seinigen zurück. Er heisstirisch „Leprechan". 1 )
Zu gewissen Zeiten, wie am Maiabend, scheinen die bösenElfen besonders thätig und mächtig; denen, welchen sie feindsind, geben sie unsichtbar einen Schlag, der Lähmung zurFolge hat, oder sie richten ihren Athem gegen sie, und aufder Stelle, wo dieser Anhauch den Menschen berührt, erzeugensich alsbald Beulen und Geschwüre. Die in besonderer Gunstbei den Elfen zu stehen vorgeben, unternehmen die Heilungsolcher Krankheiten durch Zaubermittel und geheimnisvolleReisen.
2. DER CLURICAUN (THE CLTJRICAUNE). 2 )
In dieser Eigenschaft unterscheidet sich der Elfe wesent-lich von dem Shefro durch sein einsames und täppisches Wesen;man findet den Cluricaun niemals in Gesellschaft, sondernimmer für sich allein. Er ist viel körperlicher und zeigt sicham Tag als ein kleines, altes Männchen mit verschrumpftemGesicht in altmodischer Tracht. Auf seinem erbsenfarbigenRock sind grosse Knöpfe, sowie er an grossen Metallschnallenauf seinen Schuhen besonders Wohlgefallen zu haben scheint.Einen Hut trägt er auch, aber einen dreieckigen, altfränkischanfgekrämpten. Man hasst ihn seines boshaften Wesens wegenund sein Name wird als Ausdruck der Verachtung gebraucht.Man bemüht sich seiner Herr zu werden und droht ihm gern;manchmal gelingt es ihn zu überlisten, manchmal ist er ver-schmitzter und betrügt den Menschen. Er beschäftigt sich mitder Verfertigung von Schuhen und pfeift ein Lied dazu.Wenn ihn der Mensch dabei überrascht, so ist er zwar voll
') Das Wort, genau Preachan oder Priaehan geschrieben, soll einen Raben,bedeuten.
2 ) Ein irisches Wort, das der Verfasser S. 162 durch die Vermuthung er-klärt, es sei eine Entstellung von Luacharma'n, Zwerg.