406 ZU DEN MÄRCHEN. '
und die liebliche Musik, die zuweilen nächtlich daraus hervor-dringt, hat noch jeden entzückt, der so glücklich gewesen ist,sie zu hören.
In den Sommernächten, wenn der Mond scheint, am liebstenin der Erntezeit, kommen die Elfen aus ihren geheimen Woh-nungen hervor und versammeln sich zum Tanz auf gewissenLieblingsplätzen, gleichfalls heimliche und verborgene Orte, wieBergthäler, Wiesengründe bei Bächen und Flüssen, Kirchhöfe,wohin selten Menschen kommen. Oft feiern sie ihre Festeunter geräumigen Pilzen oder ruhen unter ihrem Schirmdach.Bei dem ersten Strahl der Morgensonne verschwinden sie wiederund es ist, als rausche ein Schwärm Bienen oder Mücken dahin.
Ihre Kleidung ist schneeweiss, manchmal silberglänzend,nothwendig gehört dazu ein Hut oder ein Käppchen, wozu siemeist die rothen Blüthenglocken des Fingerhuts wählen undwodurch sich Parteien auszeichnen.
Die geheimen Kräfte der Elfen, ihre Zaubermacht istso gross, dass sie kaum Grenzen kennt. Nicht bloss die mensch-liche, jede andere Gestalt, selbst die abschreckendste, könnensie augenblicklich annehmen und es ist ihnen ein Leichtes, ineiner Secunde über eine Entfernung von fünf Stunden hinweg-zuspringen. Vor ihrem Anhauch schwindet jede menschlicheKraft. Manchmal theilen sie den Menschen etwas von derWissenschaft übernatürlicher Dinge mit, und erblickt man einen,der wie in halbem Wahnsinn mit Bewegung der Lippen ein-sam auf und abgeht, so ist ein Elfe unsichtbar bei ihm undbelehrt ihn.
Die Elfeu lieben über alles die Musik. Wer sie angehörthat, kann nicht beschreiben, mit welcher Gewalt sie die Seeleerfülle und entzücke: gleich einem Strom dringe sie mächtigentgegen; und doch scheinen die Laute einfach, selbst eintönigund überhaupt Naturlauten ähnlich zu sein.
Zu ihren Belustigungen gehört das Ballspiel, das sie mitgrossem Eifer treiben und worüber sie oft bis zum Streit uneinswerden können.
Im kunstreichen Tanz übertreffen sie weit alles, wasMenschen leisten können, und ihre Lust daran ist unermüdlich.