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1 (1881)
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KINDERGLAUBEN. 403

Wolle oder Blumendolder, das Gewölk Spinneweb oderSchinhut (Sohaubhut, Scheinhut, umbella bei Oberlin; Schin-hut bei Hebel; vergl. Troj. Kr. 5936). Wenn die Wolkenfallen, kann man alle Lerchen sehen. (Bei Gruter germanicaproverbia p. 95:wenn die Wolken fallen, so ist's gut Lerchenfangen".) Wenn die Sterne Nachts hell blinken und. dieKinder wollen noch nicht zu Bett, so heisst es:seht Kinder,die Himmelsthüre hat der liebe Gott auch schon zugemacht."Die Sterne sind die goldnen Nägel, womit das Thor be-schlagen ist, und der Mond ist das Schloss daran.

7. Fällt Schnee, so sind es Federn aus dem grossenBett, das dem lieben Gott aufgegangen ist; oder Frau Hollemache ihr Bett. Hierzu gehört eine merkwürdige StelleHerodots (Melpom. c. 7), wonach bereits die alten Scythenglaubten, die nördlichen Weltgegenden seien unsichtbar und un-zugänglich, weil Erde und Himmel mit Federn angefülltseien, und dies deutet er weiterhin (c. 31) selbst auf Schnee.

Vom wehenden Schnee in grossen Flocken:Müller undBäcker schlagen sich mit einander" (s. Jean Pauls QuintusFixlein S. 102). Das sagt man auch, wenn es zugleich regnetund schneit. Schnee ist Mehl (wie Fischart auch anmerkt),im Isländischen miöll, nix candidissima, gerade wie wir Mehl-thau haben. Der Wind ist ein gieriges Thier, das Nahrungfür seine Kinder sucht. Prätorius führt an in der Weltbe-schreibung I, 429:zu Bamberg in Franken zur Zeit einesstarken Windes hat ein alt Weib ihren Mehlsack in dieHand gefasst und denselben aus dem Fenster in die freie Luftnebenst diesen Wörtern ausgeschüttet:

lege dich, lieber Wind,bringe das deinem Kind!

Sie wollte hiermit den Hunger des Windes stillen,da sie glaubte, derselbige wüthe darum, wie ein frässiger Löweoder grimmiger Wolf." In der Rockenphilosophie S. 265wennder Wind sehr wehet, so kann man solchen stillen, wenn maneinen Mehlsack ausstäubet und darzu spricht:

sieh da Wind,

koch' ein Mus für dein Kind!"

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