KINDERGLAUBEN. 401
und doch begegnet ihnen kein Unglück; das macht, weil jedesKind seinen Engel hat, der es bewahrt, hält und führt.Auch die Worte, die es reden soll, giebt er ihm in den Mund.So heisst es in einem altdeutschen Gedicht der Koloczer Samm-lung S. 148. V. 127:
daz leint sprach mit sinne,
als im sin engel gab die lere.
und S. Georg 3200 ff.
daz kint von deme keiser gie,jene, disse unde diehatten vmme ez grozen gedraneh;hin durch si tet ez den wanch,man het ez furwar ertreten,■wan daz zu ime was gewetenein engel, daz ime niht gescach.
Vergl. eine Erzählung von Hans Sachs: die Engels-hut Kempt. Ausg. II, 4. Abth. S. 170—172. — Damit hängtwohl zusammen der Glaube von dem Kindlein in Kindes-augen, das zornig herausschaut, wenn es unzufrieden mitihm ist. S. Brentanos Gründung von Prag S. 110 und An-merkung S. 434.
4. Wenn die Kinder Abends vor Müdigkeit mit denAugen blinzen und gleichwohl noch gern wach blieben, abernicht können, so heisst es: das Sandmännchen kommt!plattdeutsch de Sandsaier (Sandsäher) kamt. (Dähnert undSchütze Holst. Idiot. IV, p. 3. 4). Schütze meint, Sandsaier seientstellt aus Saatsaier; das Kind, wenn es schläfere, sei still,wie es still ist, wann gesäet wird. Offenbar gezwungen: es liegtdie Idee zum Grund, dass Sand ausgesäet und in die Augengestreut werde, was ja auch als sprüchwörtliche Redensartbekannt ist. — In Baiern sagt man: das Pechmännchenkommt! (Schmidt Westerwäld. Idiot.) das nämlich mit Pechdie Augen zuklebt. — Nach der griechischen Mythe sprengtder Schlaf, wie dort Sand, Lethe was ser in die Augen, undweht mit seinen Flügeln, bis man entschläft. Bei Zeus setzter sich auf die höchste Tanne des Ida in das stachelvolle Ge-zweig (Ilias XIV, 290). —
W. GRIMM, KL. SCHRIFTEN I. 26