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390 ZU DEN MÄRCHEN.

Fitzeln, auch Dinsjeln nennt. In Franken ist der umge-kehrte Gebrauch, dass die Eltern von den Kindern mit densogenannten Kindelruthen begrüsst werden. (S. ScheffersHaltaus S. 166.) Dies Auskindeln ist bei den Protestanteneben so üblich, wie bei den Katholiken. Die Ruthen werdenvon solchen Gewächsen gebunden, welche um diese Jahreszeitnoch grün sind, oder es werden auch nur einzelne Zweige vonBuchsbaum, Rosmarin, Lorber, Pomeranzen genommen unddamit sefitzelt. Gemeinlich geschieht es auf die Hände, dazuspricht man:schmeckt der Pfeffer gut?" oder auch:

Ist das Pfefferleinsbrot gut?ist's gesalzen?ist's gesehmalzen?"

An manchen Orten haben die Bauern noch einen be-sondern Reim:

Friseha, frischa, gruna,

sollt mer oisig lona (sollt mir jetzo lohnen)

Pfeffornüss und Brondaweiy

und an ganzen Dohler dreiy;

get mer oisig müt! (gebt mir ihn gleich mit).

Man giebt darnach den Kindern einen sogenannten Fitzels-lohn an Geld oder Esswaaren. Es fitzeln auch Erwachsene,Eheleute, Anverwandte und Bekannte einander. Zuweilen über-schickt man auch nur eine schöne Fitzelruthe zum Zeichen,dass man an einander denke. An manchen Orten wird um-gewechselt, und am Kindertage das weibliche Geschlecht vondem männlichen, am Neujahrstage das männliche von demweiblichen mit der Ruthe geschlagen, dabei haben die Mädcheneinen besondern Reim:

wachsa, wachsa, grün,der liben Fra ir Sun,schmeckt's Neujahr gut?schmeckt's Neujahr gut?"

An einigen Orten (Haltaus führt namentlich Regensburgan) wählten sonst die Kinder an dem Kindertag einen Bischofaus ihrer Mitte, welcher der Kinderbischof oder Schul-bischof genannt und mit Gepränge in der Stadt herum ge-führt wurde; also wie bei dem Gregoriusfest.