KINDERWESEN UND KINDERSITTEN. 391
17. Geschenke. Wenn Eltern oder Freunde von einerReise heimkehren, bringen sie den Kindern Geschenke mit,die Knaben erhalten Spielzeug, ein Pferdchen, eine Jagd, Pfeifeund Trommel, Bilder, die Mädchen aber Kleider und Putz-sachen. Die Eltern fragen auch wohl bei der Abreise: „wassoll ich dir mitbringen?" wie im Märchen vom Löweneckerchenvorkommt (No. 88) und im Aschenputtel (No. 21). So wirdvom armen Heinrich erzählt:
330. unt daz landen wol dohte
zuo ir kintlichem spil,
des gap der herre ir vil;
oucli half in sere, daz diu kint
so likte zuo gewenende sint.335. er gewan ir swaz er veile vant,
Spiegel 1 ) unde harbant
unde swaz kinden liep solde sin:
gurtel unde vingerlin.
Cunrat Dankbrotsheim [Dangkrotzheim] (aus Hagenau?)fängt sein heiliges Namenbuch (handschriftlich zu StrassburgMs. Johann B. 142 und gedichtet im Jahr 1435) [herausge-geben in den Elsässischen Litteraturdenkmälern von K. Pickel.Strassburg 1878] in Beziehung auf jene Sitte, auch wohl aufdie Weihnachtsbescherung, folgendergestalt an [1 — 2. 6 — 34]:
Jkesus, Marien liebes Kint,
dem lümel und erde gehorsam sint, —
in des namen angefangen
habe ich dis buchlein bedraht
und jungen kinden das gemäht,
das si darinne leren,
das sich ir selde werde meren.
welch knabe zu disem buch hat minne,
der vindet ein guldin rossel drinne
stiff gesattelt und vin gezoumet,
dast ernst und ist mir nit getroumet,
dann es ein luter Wahrheit ist,
und komet das kindelin Jhesus Crist
mit sinem guldinen bredigerstul
und seczet sich nebent in die schul
und bringet im das rossel darin.
ist aber das kint ein megetin,
: ) Ein Theil des Haarschmuckes.