KINDERWESEN UND KINDERSITTEN. 389
cruren in Zucker, Teig oder Wachs abgedrückt oder in Holzo-eschnitzt, welche allerlei Früchte, Puppen, Thiere, alles Lebende,was fliegt und kriecht, darstellen, das sich um den Lebensbaumzu versammeln scheint. Bei den Saturnalien der Alten, welcheam 23. Dezember sich schlössen, wurden gleichfalls Wachs-lichter angezündet, Honig und kleine Bilder (sigilla) geschenkt,daher schon Gedike in einer ausführlichen Abhandlung (BerlinerMonatsschrift 1784. S. 78 — 87) beide Feste in Verbindung ge-bracht. Allein auch an den altnordischen Jolabend, der mittenim Winter gefeiert wurde und ohne Zweifel ein Fest der steigendenSonne war, darf man erinnern, zumal da König Hagen Adelstanbefahl, es auf den Christtag zu legen, so dass dieser jetzt durchJoltag bezeichnet wird. — Beschert wird entweder den Abendvorher, welcher im Plattdeutschen daher Kindjeesabend heisst,oder den Christtag morgens früh, immer aber bei Licht, unddas Christkind verkündigt sich durch Klingeln (daher auchim Plattdeutschen Klinggeestabend), welches die im Finsternharrenden Kinder herbeiruft. Wo es am Morgen geschieht,da erlaubt man abends vorher den Kindern, wie beim Niklas-fest, ihre Teller an einen bestimmten Ort, jedoch umgekehrt,zu setzen oder wie es in Hessen heisst: zu stülpen, auf welchedann die Geschenke gelegt werden. Armen und nicht zurFamilie gehörigen Kindern, welchen man etwas schenken will,sagt man daher, sie sollten ihre Teller bringen und stülpen.
Kindertag. Der 28. Dezember, an welchem nämlichHerodes die unschuldigen Kinder zu Bethlehem ermorden Hess,führt gewöhnlich diesen Namen. Schon in den alten Zeitenwurde er als ein Festtag angesehen und unter dem NamenFest oder Tag der unschuldigen Kindlein (dies innocen-tium puerorum) mit allerlei Gebräuchen begangen. Vorzüglichwar er für die Kinder feierlich; noch jetzt lässt man die Chor-knaben bei der Messe und Vesper in beinah priesterlicherKleidung erscheinen und weiset ihnen ihren Stand in den vor-nehmsten Klappstühlen des Chors an. An manchen Ortenwird er auch Fitzel- oder Pfefferleinstag genannt. DieEltern pflegen nämlich morgens ihre Kinder im Scherz mitRuthen aus dem Bett zu treiben, welches man Auskindeln,