386 ZU DEN MÄRCHEN.
Kreuznach und anderen Städten des Rheins werden an demJohannistag auch die Brunnen gereinigt und neue Brunnen-rneister erwählt, wobei sich die Nachbarn versammeln und einkleines Fest geben. Die Kinder ziehen umher und sammelnEier, die sie in einen mit Feldblumen geschmückten Korb aufBlätter legen und sich Abends zu einem Feste backen lassen.Man hat Nachricht von dieser Sitte bis ins fünfzehnte Jahr-hundert. Das Lied, das sie beim Einsammeln singen, steht imAnhang des Wunderhorns S. 40. 41. Im Anspachischen trugendie Knaben sonst einen geputzten Baum durch die Strassenund sangen dabei (Fischer Geschichte von Anspach S. 178). InSchlesien wird am Johannistag bei der Bildsäule des Johannesvon Nepomuk, oft auch ohne diese, von Birken eine Laubegesteckt, in welche sich ein hübsches, armes Mädchen in seinenSonntagskleidern, mit Blumenkränzen und Bändern ausge-schmückt, setzt und die Braut heisst. Andere Mädchen springenunter Gesang herum und jeder Vorübergehende muss ihneneine Gabe reichen. Eben so gab es sonst in Leipzig einJohannismännchen, mit welchem am Gesundbrunnen viel Lärmgetrieben wurde (Allgem. Anzeiger der Deutschen 1808. No. 250).In den Nürnberger Vorstädten ziehen die Knaben vor dieHäuser und betteln Holz, indem sie ein eigenes Lied dazu singen:
I, o, heu o,
zündt der Madt ihm Rockn o!
geht zsamm, ihr leibn Boubn,
Scheidla wolln mer zsamma souchn.
Wollt er as ka Scheidla gebn,
wolln mer's Jauhr nimmer derlebn.
I, o, heu o,
zündt der Madt ihm Rockn o!
Die zusammengebrachten Scheiter fahren sie auf einemSchubkarren an den Bleicherweiher beim Spittelthore, zündensie an, und wenn das Holz brennt, springen sie darüber,wie aller Orten beim Sonnenwendefeuer geschieht. Man erhältdadurch Gesundheit aufs ganze Jahr. Sie laden die Vorüber-gehenden zu diesem Sprunge ein, die einige Kreuzer für dieseErlaubnis geben. Auch im Ostreichischen ist es Sitte derKnaben (Denis Lesefrüchte I, 130).