' KINDERWESEN UND KINDERSITTEN. 383
Franken und Thüringen bekannt (wie Eccard Franc, orient. I, 438gleichfalls bezeugt), selbst in Pohlen und in Moskau wird esgefeiert. Oft ist nur einer der Gebräuche herrschend, entwederdas Austragen des Strohbildes oder das Eintragen des Sommer-baums. — Im Holsteinischen, besonders im Flecken Neumünster,tragen die Knaben, wenn sie bei der Sommerverkündigung vonHaus zu Haus ziehen, einen todten Fuchs oder eine Krähevoraus. Wahrscheinlich bedeutet diese, so wie der Fuchs, mitdem schon oben Böses gewünscht wurde, nichts anders, als denbesiegten bösen Geist, den Winter. S. Schütze Idiot. IIL,165—167, wo auch das Lied, das dabei gesungen wird, mit-getheilt ist. Sie fordern darin milde Gaben in Geld undSpeisen 1 ). An einigen Orten, auch in Frankfurt am Main,wird das Fest noch früher, schon Ende Februar, zur Fastnachtgefeiert, wo nämlich der Storch sich zum ersten Mal zu zeigenpflegt, dessen Ankunft sonst in mehreren Städten durch denStadttrompeter feierlich angekündigt wurde, wofür dieser einenTrunk aus dem Stadtkeller erhielt (s. die Alpenrosen für 1817.S. 51). Der Anhang des W.-H. theilt S. 21 ein Lied ausden Rheingegenden mit, welches zum Theil mit jenem Hol-steinischen übereinstimmt. Die Kinder tragen hier bei ihremUmgang einen gebundenen Hahn, der also die Stelle desFuchses vertritt. Merkwürdig ist, dass bei den Griechen eineähnliche Frühlingsfeier statt fand (s. Zell über die Volksliederder Griechen im Morgenblatt 1819. No. 170. 171). Nachrichtdarüber |hat sich beim Athenaeus erhalten (VIII, 60. p. 360).Nämlich zu Anfang des Frühlings trugen die Kinder auf Rhoduseine Schwalbe herum, sammelten Esswaaren und sangen einLied dabei. Dies nannte man schwalbein (^sXioovt'Cstv), undeiner der sieben Weisen, Kleobulus aus Lindus, soll bei einerHungersnoth die Sitte eingeführt haben. Die Schwalbe, dieschwarz ist und unten weiss zu werden beginnt, scheint einBild von der in das Licht übergehenden Nacht oder des be-siegten Winters zu sein. Das Lied ist dieses:
') Das Betteln auf eine Krähe war auch bei den Griechen bekannt,s. Athenaeus VIII, 59, der das Volkslied dabei anführt.