KINDERWESEN UND KINDERSITTEN. 365
ein Kind, das auf Gerten reiten will. — Auch des
Kriegspiels wird gedacht; im Titurel Str. 80 [86, 1. 2]:
swenn andriu kint diu iungen
ze velt unt an den strazzen
punierten unde rangen,
durch sende not so must er daz nu lazzen.
Konrad von Würzburg beschreibt die Jugend des Paris
im Trojanischen Krieg 612:
swenne er unt ander hirtelin,
die sine gesellen waren,
ir spils begonden varen,
so tat er ie daz beste
unt was so tugendveste,
daz man in lobte denne.
si waren etswenno
mit strite sament gemeinlieli,
also daz si do teilten sich
unt machten krieges parte,
so was er ein gries-warte
unt ein guot richter under in;
wan swer den sig do fuorte hin,
dem satzte er uf sin houbet
ein schapel wol geloubet,
damit er in do krönte
unt im der tugende lonte,
daz er so fromeklichen streit.
Das Spiel mit drei oder fünf kleinen Steinen, wo-von einer aufgeworfen und, während dieser fliegt, die übrigenzusammengestrichen und in die Hand genommen werden, umjenen damit aufzufangen, findet sich überall und ist gewissuralt 1 ). — Ein altes Spiel sind auch die kleinen Windmühlen,zwei Querhölzer mit vier Flügeln, an einem längern Stockbefestigt, der in der Hand gehalten wird. Geht kein Wind,so wird gelaufen, und der daraus entstehende Zug treibt dieFlügel herum. Zwei Knaben mit diesem Spielwerk findet man
') Niebuhr sah es bei den Kindern am Euphrat zwischen Vasra und Helle-Es heisst bei den Arabern Lakud. Er macht dabei die Bemerkung: „dieSpiele der Bauernkinder scheinen in der ganzen Welt dieselbigen zu sein."Reise nach Arabien I, 171. Clarke fand dieses Spiel in ganz Russland wiederund gedenkt einer griechischen Vase, auf welcher es abgebildet ist. Reisedurch Russland S. 196 (bei Bertach).