364 ZU DEN MÄRCHEN.
nennen. Im Plattdeutschen (nach Dähnert) heissen auch zweizusammengewachsene Äpfel Kindappel.
10. Bei der Geburt eines Sohnes pflegt der Vatereinen Baum zu pflanzen, an manchen Orten den langsamwachsenden Lebensbaum thuia occident. (Vergl. unsere EddaS. 61 Anm. und Kopenh. Edda II, S. 59 Anm.) — In Schaff-hausen, wenn ein Sohn geboren ist, trägt die Magd, die ihnden Verwandten ansagt, eine weisse Schürze und zwei Sträusse,einen vor der Brust, einen andern in der Hand; wenn es einMädchen ist, aber nur einen. (Stalder II, 355.) — Bei derTaufe erhalten Kinder ein Geschenk von ihrem Pathen.Im heidnischen Norden geschah dies, wenn sie den Namen,meistens Zunamen erhielten, und es hiess die Nafn-festi(Namensfestigung). Als die Wahlküre Swawa den SohnHiorwards, der noch kein Wort gesprochen, Helge nennt, hebter an zu reden und verlangt nun auch das Geschenk zu demNamen. Edda II, 33. Dieselbe Sitte beschreibt die jüngereEdda Dämesaga 63 und die Heimskrincda VI, 9. Versd. auchdie Thorstein Bäarm. Saga Cap. 4. Sie macht auch eine merk-würdige Stelle beim Paulus Diaconus de gestis Longob. I, 8deutlich, wo Frea dem Wodan sagt, weil er den Langbärteneinen Namen gegeben (Odin heisst bekanntlich selbst Lang-bardur), so müsse er ihnen auch (als Geschenk) den Sieg ver-leihen. — Man pflegt heutzutage dem Kind etwas zu schenken,wenn es die ersten Kleider, Schuhe trägt usw. Eine uralteSitte ist das Geschenk des Vaters bei dem ersten Zahn, imNordischen hiess es Tann-Fe und im Grimnismal Str. 5 wirdgesagt, dass Freyr seinen Sitz Alf heim als Zahngeschenk vonden Göttern erhalten habe.
11. Kinderspiele. Die Kindheit selbst wird damit be-zeichnet. Hartmann von der Aue sagt Manesse I, 179a [Lieder4, 25 — 27 Haupt]:
mir hat ein \rip genade widerseit,der ich gedienet han mit stetekeitsit der stunde, daz ich uf mime stabe reit.
Lichtenstein (Frauendienst von Tieck S. 2) noch so dumm als