KTNDERWESEN UND KINDEESITTEN. 363
ihn angegriffen und in den Mund gesteckt, wovon es sich ver-brannt, und weshalb Moses hernach gelispelt.
6. Wenn man Kindern nicht sagen will, wo man das herwisse, wornach sie fragen, so antwortet man wohl: „mein kleinerFinger hat mir's gesagt" (auch im Französischen: „mon petitdoigt me l'a dit"). Dies finden wir schon in einem altdeutschenGedicht (Müller. Samml. Bd III Fragm. und kl. Ged. St. IX,V. 119): „min minnester vinger mirs verjach". —
7. Wenn man Papier verbrennt, giebt man Acht, wie dieFunken auf dem schwarzen Grund hin- und hergehen und nachund nach verschwinden, besonders auf den allerletzten. Mansagt, das seien die Leute, die aus der Kirche giengen,und der letzte sei der Glöckner oder der Küster, der dieThüre zuschliesse (Französisch que c'est l'abbesse quifait coucher les nonnains).
8. Frisches Brot aus neuem Korn wird Hasenbrot genanntund der Hase hat es im Walde gebacken; es giebt auch einePflanze, die Hasenbrot heisst (briza media Linn.). Wennauf den Bergen Nebel liegt, so ist es der Rauch aus seinerKüche: „der Has kocht". Im Plattdeutschen: „de Vossbadet sik" oder: „de Voss bruet"; der Nebel heisst:„ Vossbad".
9. Aus den eddischen Liedern verdient es angeführt zuwerden, wie Gudrun nach dem Verderben ihres Geschlechtsund mitten im herbsten Schmerz der seligen Zeit gedenkt, wosie mit ihrem Bruder Haugni in kindlicher Lust zusammen-gelebt. Atla-mäl in grönlensku Str. 68:
Alin vith upp vorom i eino husi,
lekom leik margan ok i lundi oxom,
gäddi ockr Grimhildur gulli ok häls-meniom.
Wir beide wurden auferzogen in einem Hause,
manches Spiel spielten wir, in dem Walde wurden wir gross,
Krimhild (die Mutter) schmückte uns mit Gold und Halsbändern.
Gudrun scheint vorzugsweise ihren Bruder Haugni geliebtzu haben. Wenn sich von mehreren Geschwistern immer zwei,wie häufig geschieht, zusammenhalten und unzertrennlich sind,so pflegt man die beiden Messerchen und Gäbelchen zu