KINDERWESEN UND KINDERSITTEN. 361
4. Sie müssen sich der Lehre unterwerfen. Alter Titurel
80 [86, 4]:
swa kint lernent uf stau nach stuolen,
die muozzen zem ersten dar kriechen.
Von Alexander und Aristoteles (in der Müller. Sammlung
Bd III, 69):
der meister nam den jungen knaben
unt lerte in die buochstaben
ab e d daz tet im an dem ersten wo,
als ez noch tuot den jungen,
di do sint behvungen
mit schuole-meisterscheften.
Auch die Strafe wird erwähnt. Im Reinfried von Braun-schweig spricht der Riese zu dem Helden, ich will mit dirnicht streiten (Gotha. Hs. Bl. 150 a):
ich "wil dich lazzen riten
durch dinen tumblichen muot,
eine weiche, kranke (d. h. schwache) kindes-ruot
horte über dinen lip!
hastu ze tunde icht, daz trip
unt bis todes vor mir fri.
Aber Walter von der Vogelweide sagt auch schon sprich-wörtlich (Man. I, 106b) [87, 1. 2]:
nieman kan mit gertenkindes zucht beherten.
d. h. mit der Ruthe (allein) kann man ein Kind nicht erziehen. —
5. Sorglos sind Kinder und leben nach augenblicklicher
Lust. So heisst's im armen Heinrich 950 [949 — 954]:
— du tuost alse diu kint,diu so gehes muotes sint:swaz den komet in den muot,es si übel oder guot,dazuo ist in allen gachunt geriuwet sie sere darnach.
Nach dem Bunten und Schimmernden greifen sie zuerst, daherbei Freidank der Spruch 13 [125, 15. 16 verändert, vgl. Anhang
S. 243]:
was mit varwe ist überzogen,da wurt ein kint vil lihte betrogen.3688. [106, 8. 9] wo kint sint bi der gluot,da ist not, daz man ir huot.