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1 (1881)
Seite
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ÜBER DAS WESEN DER MÄRCHEN. 357

thum zu verschaffen weiss, steht zwischen dem Däumling unddem Laienbürger. Dieser kommt aber hier in verschiedenenAbstufungen vor, am deutlichsten in den Narrheiten des Cather-lieschen und der klugen Else, die Albernheit wird unter demAnschein eines breiten Verstandes und mit eigenem Wohlge-fallen manchmal mit einem leisen Bewusstsein betrieben; danngehören die sieben Schwaben hierher, die alle an einem Spiessauf Abenteuer ausziehen, einen Hasen als ein Ungeheuer auf-jagen und von einem Frosch ums Leben gebracht werden.Eigene Mischungen sind, wo die Dummheit zum Vortheil aus-schlägt, wie beim Doctor Allwissend und bei der Hochzeitdes gescheidten Hans, oder umgekehrt die Weisheit immerübel angewendet wird, wie bei dem Jungen, der auf Reisengehen wollte.

Ein vierter Charakter ist der Bruder Lustig. Er be-kümmert sich um nichts, als ein fröhliches Leben, weiss nicht,was gut und was bös ist, und ihm wird darum nichts zuge-rechnet. Als der Herr kommt, bei ihm zu herbergen, ist erbereit, das Letzte mit ihm zu theilen, doch verthut er gleichim Spiel den Groschen, wofür er einen Trunk zu der Speiseholen soll. Dem Apostel Petrus, der in der Gestalt einesArmen um ein Allmosen ihn anspricht, giebt er seinen letztenHeller, und als dieser im Glauben, einen Frommen gefundenzu haben, mit ihm zieht, betrügt er ihn alsbald um das Herzdes gebrateten Lämmchens und ist ärgerlich, dass der mäch-tige Apostel nicht mehr Geld zusammen bringt. Als Bären-häuter dient er dem Teufel, wird aber aus der Hölle wiederfortgeschickt. Den Tod hat er lange zum Narren, endlichrouss er ihm folgen, aber nun will ihn weder der Himmel nochdie Hölle einlassen, bis er durch einen guten Einfall in jenensich Eingang verschafft. Gewissermassen macht der Schneider,welcher, als er aus Gnaden in den Himmel aufgenommen wor-den, dort Richter über die Sünden sein will und wieder aus-gestossen wird, das Gegenstück zu ihm. In der Legende istder heilige Christoph, der sich einen Herrn sucht, dem Teufeldient und mit Verachtung ihn verlässt, weil er vor dem Christ-kind erschrickt, nach diesen Sagen gebildet.