356 ZU DEN MÄRCHEN.
schön wird er im Parcifal der Dummeklare genannt 1 ).Kommt es dann zur lebendigen That, so erhebt er sich schnell,wie eine lange keimende, endlich vom Sonnenlicht berührtePflanze, und dann vermag er allein unter vielen das Ziel zuerreichen. Er ist hier unter verschiedenen Verhältnissen dar-gestellt, gewöhnlich der Jüngste von dreien Brüdern, stehenihm die beiden andern in Stolz und Hochmuth entgegen; wennsie zusammen ausgeschickt werden, um eine Aufgabe zu lösen,wornach der Vorzug unter ihnen bestimmt werden soll, ver-lachen ihn jene und sehen ihn mit Verachtung an. DerDummling aber zieht in kindlichem Vertrauen aus, und wenner sich ganz verlassen glaubt, hilft eine höhere Macht undgiebt ihm den Sieg über die andern. Ein ander Mal hat erweltliches Wissen hintangesetzt und nur die Sprache der Naturgelernt, darum wird er Verstössen, aber jene Erkenntnis er-hebt ihn bald über alle anderen. Unterliegt er der Missgunstund wird ermordet, so verkündigt doch lange nachher derweissgebleichte, hervorgespülte Knochen die Unthat, damit sienicht unbestraft bleibe.
Der Dummling ist der Verachtete, Geringe, der Kleine undnur von Riesen aufgesäugt, wird er stark; so nähert er sichdem Däumling. Dieser ist bei seiner Geburt nur so grossals ein Daumen und wächst auch nicht weiter. Bei ihm aberist alles in Klugheit ausgeschlagen, er ist aller List und Behen-digkeit voll, so dass er sich aus jedem Unfall, in den ihn seinekleine Gestalt so oft bringt, jedesmal zu helfen, selbst nochVortheil für sich zu ziehen weiss. Jedermann äfft er und zeigteine Lust an gutmüthiger Neckerei, überhaupt die Natur derZwerge; auch mögen alte Sagen von diesen hier noch fort-dauern. Manchmal ist er als ein kluges Schneiderlein darge-stellt, das mit seinem feinen und schnellen Verstand die Riesenschreckt, die Ungeheuer tödtet und die Königstochter erwirbt;er allein kann die vorgelegten Räthsel lösen.
Das Bauerlein, das ein hölzernes Kalb auf die Weideschickt, aber hernach durch allerlei listige Streiche sich Reich-
») Vergl. Altdeutsche Wälder I, [S. 1],