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1 (1881)
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354 Zu DEN MÄRCHEN.

gleicht die Sage der Sprache, die eben so nur in dem Be-wusstsein des ganzen Volks vollständig lebt.

Die T hier mär chen öffnen eine andere Welt. Das heim-liche Treiben der Thiere in den Wäldern, Triften und Feldernhat etwas sehr Bedeutendes. Es herrscht unter ihnen einebestimmte Ordnung, in dem Bau ihrer Wohnung, in dem Aus-flug, der Heimkehr, dem Füttern der Jungen, der Vorsorgefür den Winter; ihr Gedächtnis scheint gross, sie machen sicheinander verständlich, und ihre Sprache ist wohl nicht mannig-faltig, aber mächtig und eindringlich. Sie vereinigen sich inSchaaren, ziehen aus, haben Anführer und bekriegen einander.Dabei ist nichts natürlicher, als ihnen ein sittlich geordnetes,menschliches Leben und Weben zuzuschreiben, das sie nurunsern Blicken zu verbergen scheinen. Das Auge der Dich-tung aber sieht alles Geheime und Verborgene, sie offenbartdiesen innern Haushalt der Thiere, und da sie ihnen zugleichdie menschliche Sprache beilegt, wodurch sie allein schonvieler menschlicher Gedanken theilhaftig werden, so sind sieuns noch näher gerückt. Ausserdem entsteht durch die be-ständige Vermischung des Thierischen und Menschlichen einbesonderer Reiz: man denkt, es wären wirklich Menschen, dieGefallen daran hätten, sich einmal in dieser Gestalt zu belusti-gen. Natürlich, dass bei dieser Vereinigung Sagen herüberund hinüber gegangen sind; manchmal wird das ganz Unbe-lebte mit hineingezogen, selbst Strohhalm, Kohle und Bohnemachen eine Reise zusammen. Das Böse in List und Ver-schlagenheit ist der Fuchs, dessen Verwandtschaft mit demungetreuen Sibich der deutschen Heldensage an einem andernOrt gezeigt worden; in Gewalt und Plumpheit ist es der Wolf.Die schwachen Thiere, zumeist die Vögel, sind die Gutgesinn-ten, welchen von jenen nachgestellt wird. Auch stehen sichbeide wieder entgegen, wie anderwärts Zwerge und Riesen:so ist in dem Märchen von dem Bär und Zaunkönig der Siegder Kleinen über die Grossen und Unbeholfenen beschrieben,und der Wolf, der das Rothkäppchen und die jungen Ziegenberückt, stellt den Menschenfresser vor, der endlich doch