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1 (1881)
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352 Zu DEN MÄRCHEN.

dem undankbaren Sohn; von der Sonne, die allem Heimlichenzusieht und es au den Tag bringt.

Mehrere sind ganz christlichen Inhalts und unterschei-den sich durch Reichthum und Mannigfaltigkeit von den ein-förmigen Legenden. Vor allen ist das Marienkind zu nennen:erst lebt es mit den Engeln in reiuer Unschuld, dann, durchdie Neugierde zur Sünde verleitet, wird es aus dem HimmelVerstössen. Nun muss es den Schmerz der Erde erfahren, solang es in der Sünde beharrt, aber in dem Augenblick, wosich das Herz zu Gott bekehrt, zeigt er sich auch wiedergnädig und alle Noth hört auf. In dem Märchen von demMädchen ohne Hände ist es so schön ausgedrückt, dass vorder Reinheit alle List des Bösen zu Schanden wird, und wieGott darum die abgehauenen Glieder aufs neue wachsen lässt,so verleiht er dem Frommen, der unter einem Galgen sitzt,aber unter einem Kreuz zu sitzen glaubt und zu ihm betet,durch einen reinen Thau .die Augen wieder. In dem Märchenvon der Nelke speisen Gottes Thiere, wie jenen Propheten,die unschuldig eingekerkerte Königin, die darum auch, als siebefreit worden, weil sie himmlische genossen, keine irdischeNahrung mehr anrührt und stirbt. Der Knabe, der im Ver-trauen auf Gottes Wort immer fort geht, um das Himmelreichzu finden, deutet an, dass der feste Glaube auch bei einemäussern Missverständnis zur Seligkeit führe. Einige märchen-haft ausgebildete Legenden sind am Ende zugefügt.

Der Zusammenhang einer besonderen Reihe mit der deut-schen Heldensage ist in den Anmerkungen bis ins Ein-zelne nachgewiesen und hier nur im Allgemeinen etwas darüberzu erinnern. Die Sage pflegt in der Überlieferung vorzugs-weise entweder ihren geschichtlichen Inhalt oder die innereGesinnung der darin handelnden Menschen fest zu halten; jenachdem sie das eine für das Wichtigste ansieht, vernachläs-sigt sie das andere. In dem vollkommenen und blühendenZustand einer epischen Zeit ist freilich beides gleich mächtigund bedingt sich gegenseitig; späterhin aber herrscht eineRichtung vor. Gewöhnlich pflegt die sogenannte Kunstpoesiedie Fabel zurückzusetzen, um die Gesinnung auszubilden, wäh-