344 ZU DEN MÄRCHEN.
Heidnisch in seinem Ursprünge ist der Gedanke von einemauf Erden vorhandenen, alle Seligkeit in sich fassenden Schatz,,welchen zu erwerben Glücklichen und vom Schicksal Begün-stigten möglich ist; denn wer zu der Quelle aller irdischenHerrlichkeit dringt, den lässt das Heidenthum des höchstenLebens Meister und Herr sein. Dies ist die Idee, der in ver-schiedener Gestalt, als Hut, Tuch, Tisch u. s. w. vorkommen-den Wünscheldinge, welche jeden Gedanken befriedigen,Unsichtbarkeit verleihen, keines Raumes achten, kurz alle ir-dischen Schranken übersteigen. In dem Hort der Nibelungenliegt daher die Wünschelruthe, der Zauberstab, bedeutungs-voll verschlossen und zeigt, dass Kampf um den Besitz deshöchsten Guts der eigentliche Inhalt der alten Sage ist. ImTiturel Str. 4751 steht die merkwürdige Stelle: „wände sichder gral gelichtet dem paradis mit siner wunschel-ruoten 1 )." Die weisse, d.h. die glänzende, auf dem Goldruhende Schlange (Fafner), womit die Unke, die eine Kroneträgt und die kostbarsten Schätze gesammelt hat, übereinstimmt,ist gleichfalls ein Symbol jenes Horts; darum erwirbt, wer vonihr isst, d. h. ihres Wesens theilhaftig wird 2 ), die höhereEinsicht in die Natur der Dinge, versteht die Sprache derVögel und hat das Glück an sich gebannt. Ferner das Herzdes auf Goldeiern brütenden, selbst goldgefiederten Vo-gels ist wieder nichts anders, als jenes Schlangenherz, undwenn dem, der es genossen, das Gold im Schlaf unter demHaupt wächst, so ist das ein bezeichnendes Bild von der un-bewusst in ihm wirkenden Kraft. Hierher gehört auch die
1 ) Es verdient angemerkt zu werden, dass Valhaull (der solige Aufent-halt der im Kampf Gebliebenen) in der Atlaquida (Str. 2. 14) bloss die-herrliehe, die Wunschhalle heisst; Wunsch hier, wie überhaupt bei denWünscheldingen, in dem alten Sinne als Inbegriff alles Wünschenswerthen ge-nommen. Daselbst wird auch (Str. 30) der in den wallenden Rhein zu ver-senkende Hort val baugar genannt, zunächst herrliche, ausgewählte Ringe;weil aber der, welcher die Wahl hat, seine Wünsche befriedigen kann, auchWunschringe. — Sonst kommt die Sache in der Edda noch unter andermNamen vor: Gamban-trinn Wünschelruthe (Skirnisf. 32) und Gamban-.suml Wunschtafel (Agisdr. 8).
2 ) So erhält Loke erst seine böse Natur, nachdem er das gebratene Herzeines bösen Weibes gegessen. Hyndluliod Str. 37.