340 ZU DEN MÄRCHEN.
drängten reden, ihnen Geschenke geben, die sie erretten, soerscheinen sie als angebetete, göttliche Wesen (quorum opibusaperte iuvantur. Caesar de B. G. 10), wie sie es in den altenZeiten den Deutschen wirklich waren. Auch die Bäume undQuellen, deren Verehrung sich lange fort erhielt, sind hierbeseelt. Der Machandelbaum, d. h. der Leben verleihende,verjüngende Baum (iuniperus) ist sichtbar ein guter Geist,seine Früchte erfüllen den Wunsch der Mutter nach einemKinde; die gesammelten Knochen des Gemordeten werden un-ter seinen Asten, die sich gleich den Armen eines Menschenbewegen und sie umfassen, wieder belebt, und die von ihmaufgenommene Seele steigt aus den leuchtenden, aber nichtbrennenden Flammen der Zweige in der Gestalt eines Vögleinshervor. Es ist nur anders ausgedrückt, wenn das in den Flussgeworfene Kind oder die weisse Braut gleichfalls in dem Bildeines Vogels sich wieder erhebt; der Fluss ist da ein belebterGeist. Anderwärts fangen die Zweige an sich zu erweichenund umfassen mit ihren Armen die in Trauer an dem StammRuhende. Auch dem Grabe der Mutter entspringt ein Bäum-chen, zu dem sich Aschenbrödel in der Noth wendet und dasGeschenke herab wirft. Oder aus dem vergrabenen Eingeweide(dem Herzen) eines geliebten Thiers wächst ein Baum mitgoldenen Äpfeln, der nur dem, wem er mit Recht angehört,gehorcht und folgt. Die Quelle aber, die glänzend über dieSteine springt (wie heiliges Wasser in der Edda von denBergen herabrinnt), ruft den Kindern zu, nicht aus ihr zutrinken, weil sie sonst verwandelt würden. — Weiter reichtschon die höhere Natur, die den Thieren beigelegt wird.Das Pferd Fallada spricht (wie Mimers Haupt) nach dem Todenoch zu seiner Gebieterin. Die Raben weissagen, sie wissen,gleich Odins Raben Huginn und Muninn (d. h. die mit Ver-stand und Gedächtnis begabten), was in der Welt geschieht.Überhaupt aber werden häufig die Vögel als Geister be-trachtet. Die Tauben kommen und lesen dem armen Kindedie Erbsen aus der Asche, hacken aber den bösen Schwesterndas Aug aus; ein Vöglein wirft dem Vater eine goldene Ketteum den Hals, der gottlosen Stiefmutter einen Mühlstein auf