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1 (1881)
Seite
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336 ZU DEN MÄRCHEN.

es erwächst daraus, wie eine gute Frucht aus einer gesundenBlüthe, ohne Zuthun der Menschen. | *)

Nicht zu verkennen ist ein gewisser Humor, der durchviele hingeht, wenn er sich manchmal auch nur leise äussert,und den man mit der eingelegten Ironie moderner Erzählernicht verwechseln muss. In einigen wird er besonders undanmuthig ausgebildet, wie in der klugen Else, dem Schneiderim Himmel und dem Jungen, der auszog, das Fürchten zulernen,' und der durch nichts Schreckhaftes, zuletzt aber durchein natürliches Mittel zur Erkenntnis gelangt. Das ungeschlachteWesen des jungen Riesen erhält eben so durch seinen Humorein Gleichgewicht, als Siegfried in den Nibelungen durch seineScherze das strenge Heldenwesen mildert. Der phantastischeIgel-Hans erhebt sich dagegen durch den Humor aus demWilden und Thierischen, und der Bruder Lustig aus seinerSünde. Dieser Zug ist eigenthümlich deutsch und wird sichauf diese Weise in den Märchen anderer Völker nicht leichtwiederfinden.

Die Darstellung kann in sofern mitunter lückenhaft heissen,als sie wohl einen Theil des Inhalts nur kurz erzählt oder an-deutet, um bei einem andern länger zu verweilen; auch lässtsie ganz etwas fallen, ohne doch den Faden zu zerreissen, dernur anderswo angeknüpft wird; dagegen lenkt sie manchmalin eine andere Sage ein und nimmt ein Stück davon auf. Siegleicht einer Pflanze, deren Sprossen und Zweige jedes Früh-jahr in einer andern Richtung hervorwachsen, und die dochGestalt, Blüthe und Frucht darum niemals verändert; oder esist der lebendige Odem, der über diese Poesie hingeht undihre Wellen auf und ab treibt und bewegt. Zuweilen scheintder Schluss unbefriedigend, weil das Ganze nicht darauf an-gelegt wird, sondern das Einzelne sich seines Zusammenhangsmit dem andern bewusst ist; alles Epische steht in einem

') ,.Dio wahre Darstellung hat keinen didaktischen Zweck. Sie hilligtnicht, sie tadelt nicht, sondern sie entwickelt die Gesinnungen und Hand-lungen in ihrer Folge und dadurch erleuchtet und belehrt sie." GoethesLehen III, 350.