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1 (1881)
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334 Zu DEN MÄRCHEN.

müssen in dieser Noth die Kinder im Walde zurück lassen,oder eine harte Stiefmutter lässt sie darben und leiden undmöchte sie gar verderben 1 ), aber Gott sendet seine Hülfe, erschickt die Tauben, damit sie Nahrung bringen oder dem armenKinde die Erbsen aus der Asche lesen. Dann sind die Ge-schwister in des Waldes Einsamkeit verlassen, der Wind er-schreckt sie, Furcht vor den wilden Thieren, aber sie stehensich in allen Treuen bei; das Brüderchen weiss den Weg nachHaus wieder zu finden oder das Schwesterchen leitet es, wannes die Hexe in ein Rehkälbchen verwandelt, sucht ihm Kräuterund Moos zum Lager; und welch ein Reiz liegt in diesemheimlichen Waldleben, nach welchem sich jeder natürlicheMensch gewiss einmal gesehnt hat! Oder es sitzt Jahre langschweigend und.emsig arbeitend, um ein Hemd zu nähen, dasden Zauber vernichtet. Der Umkreis dieser Welt ist bestimmtabgeschlossen; Könige und Königskinder, treue Diener undehrliche Handwerker, nachdem der Erzähler sie kennt, Fischer,Müller, Köhler und Hirten, die der Natur am nächsten blei-ben, erscheinen darin; was sich sonst hervorgethan, ist ihrunbekannt. Auch, wie in einer goldenen Zeit, ist noch allesbelebt: Sonne, Mond und Sterne sind zugänglich und gebenGeschenke; in den Bergen arbeiten Zwerge nach dem Erz, indem Wasser schlafen Nixen, die Thiere, Vögel (Tauben sinddie geliebtesten und hülfreichsten), Pflanzen, Steine reden undwissen ihr Mitgefühl auszudrücken; das Blut ruft und spricht,und so übt diese Poesie schon Rechte, wornach die späterenur in Gleichnissen strebt. Dieses Zusammenleben der ganzen

') Dieses Verhältnis kommt hier oft vor und ist wohl die erste Wolke,die an dem Himmel eines Kindes aufsteigt und die ersten Thränen erpresst,welche die Menschen nicht sehen, aber die Engel zählen. Ein schönes dä-nisches Volkslied erzählt, wie die Mutter im Grabe das Schreien ihrer vonder Stiefmutter verlassenen Kinder hört, Gott bittet aufstehen zu dürfen, undwie sie in der Nacht hingeht und sie pflegt und das kloine tränkt. SelbstBlumen haben davon ihren Namen erhalten: die Viola tricolor heisst Stief-mütterchen, weil jedes der gelben Blätter unter sich ein schmales, grünesBlättelien hat, wovon es gehalten wird, das sind die Stühle, welche dieMutter ihren rechten lustigen Kindern gegeben; oben müssen die zwei Stief-kinder, in Dunkolviolett trauernd, stehen und haben keine Stühle.