332 ZU DEN MAECHEN.
als uns gerade das Übergehen wäre; sie gehören zum Buch,insofern es ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Volks-dichtung ist. Alle Abweichungen namentlich erscheinen unsmerkwürdiger als denen, welche darin bloss Abänderungen oderEntstellungen eines wirklich einmal da gewesenen Urbildessehen, da es im Gegentheil vielleicht nur Versuche sind, einemim Geist bloss vorhandenen, unerschöpflichen auf mannigfachenWegen sich zu nähern. Wiederholungen einzelner Sätze, Zügeund Einleitungen sind wie epische Zeilen zu betrachten, die,sobald der Ton sich rührt, der sie anschlägt, immer wieder-kehren, und eigentlich in einem andern Sinne nicht zu ver-stehen. Alles aber, was aus mündlicher Überlieferung hiergesammelt worden, ist sowohl nach seiner Entstehung als Aus-bildung (vielleicht darin den gestiefelten Kater allein ausge-nommen) rein deutsch und nirgends her erborgt, wie sich, woman es in einzelnen Fällen bestreiten wollte, leicht auch äusser-lich beweisen Hesse. Gründe, die man für das Erborgen ausitalienischen, französischen oder orientalischen Büchern, dievom Volk, zumal auf dem Land, ungelesen bleiben, vorzu-bringen pflegt, gleichen denjenigen vollkommen, welche ausSoldaten, Handwerksburschen oder aus Kanonen, Tabakspfeifenund andern neuen Dingen in den Märchen auch ihre neueErdichtung ableiten wollen, da doch gerade diese Sachen, wieWörter der heutigen Sprache, nach dem Munde der Erzählendensich umgestalten und man sicher darauf zählen kann, dass sieim sechszehnten Jahrhundert statt der Soldaten und KanonenLandsknechte und Büchsen gesetzt haben und der unsichtbarmachende Hut zur Ritterzeit ein Tarnhelm gewesen ist.
Die für diesen zweiten Band anfänglich versprocheneÜbersetzung des Pentamerone steht den einheimischen Märchennothwendig nach, so wie die Zusammenstellung derjenigen,welche die Gesta Romanorum enthalten.
Cassel, am 30. September 1814.