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1 (1881)
Seite
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330 ZU DEN MÄRCHEN.

Volksdichtung gleicht dem durch die ganze Natur in mannig-fachen Abstufungen verbreiteten Grün, das sättigt und sänftigt,ohne je zu ermüden.X, Der innere gehaltige Werth dieser Märchen ist in der

That hoch zu schätzen, sie geben auf unsere uralte Helden-dichtung ein neues und solches Licht, wie man sich nirgendshersonst könnte zu Wege bringen. Das von der Spindel zumSchlaf gestochene Dornröschen ist die vom Dorn entschlafeneBrunhilde, nämlich nicht einmal die nibelungische, sondern diealtnordische selber. Schneewitchen schlummert in rothblühenderLebensfarbe wie Snäfridr, die schönste ob allen Weibern, anderen Sarg Haraldur, der haarschöne, drei Jahre sitzt, gleichden treuen Zwergen, bewachend und hütend die todtlebendigeJungfrau; der Apfelknorz in ihrem Munde aber ist ein Schlaf-kunz oder Schlafapfel. Die Sage von der güldnen Feder, dieder Vogel fallen lässt, und weshalb der König in alle Weltaussendet, ist keine andere, als die vom König Mark im Tristan,dem der Vogel das goldne Haar der Königstochter bringt, nachwelcher er nun eine Sehnsucht empfindet. Dass Loki amRiesenadler hängen bleibt, verstehen wir besser durch dasMärchen von der Goldgans, an der Jungfrauen und Männerfesthangen, die sie berühren; in dem bösen Goldschmied, demredenden Vogel und dem Herzessen, wer erkennt nicht Sigurdsleibhafte Fabel? Von ihm und seiner Jugend theilt vorliegenderBand andere riesenmässige, zum Theil das, was die Lieder nochwissen, überragende Sagen mit, welche namentlich bei derschwierigen Deutung des zu theilenden Horts willkommeneHülfe leisten. Nichts ist bewährender und zugleich sicherer,als was aus zweien Quellen wieder zusammenfliesst, die frühvon einander getrennt in eignem Bette gegangen sind; in diesenVolksmärchen liegt lauter urdeutscher Mythus, den man fürverloren gehalten, und wir sind fest überzeugt, will man nochjetzt in allen gesegneten Theilen unseres Vaterlandes suchen,es werden auf diesem Wege ungeachtete Schätze sich in unge-glaubte verwandeln und die Wissenschaft von dem Ursprungunserer Poesie gründen helfen. Gerade so ist es mit den vielenMundarten unserer Sprache, in welchen der grösste Theil der