326 ZU DEN MÄRCHEN.
mittheilte, der allein sie noch als Kindermärchen behandelte(nicht seine schlechteren Nachahmer, die Aulnoi, Murat); ergiebt nur neun, freilich die bekanntesten, die auch zu denschönsten gehören. Sein Verdienst besteht darin, dass er nichtshinzugesetzt und die Sachen an sich, Kleinigkeiten abgerechnet,unverändert gelassen; seine Darstellung verdient nur das Lob,so einfach zu sein, als es ihm möglich war; an sich ist derfranzösischen Sprache, die sich ihrer jetzigen Bildung nachfast wie von selbst zu epigrammatischen Wendungen und fein-geschnitztem Dialog zusammenkräuselt (man sehe nur das Ge-spräch zwischen Riquet ä la houpe und der dummen Prinzessin,so wie das Ende von petit poucet), wohl nichts schwerer, alsnaiv und gerad, das heisst in der That, nicht mit der Prätensiondarauf, Kindermärchen zu erzählen; ausserdem sind sie manch-mal unnöthig gedehnt und breit. Eine Analyse, die vor einerAusgabe steht, sieht es so an, als habe Perrault sie zuersterfunden und von ihm (geb. 1633, gestorben 1703) seien siezuerst unter das Volk gekommen; bei dem Däumling wirdsogar eine absichtliche Nachahmung Homers behauptet, welcheKindern die Noth des Odysseus beim Polyphem habe verständ-lich machen wollen; eine bessere Ansicht hat Johanneau.Reicher als alle anderen sind ältere italienische Sammlungen,erstlich in den Nächten des Straparola, die manches Gute ent-halten, dann aber besonders im Pentamerone des Basile, einemin Italien eben so bekannten und beliebten, als in Deutschlandseltenen und unbekannten, in neapolitanischem Dialekt geschrie-benen und in jeder Hinsicht vortrefflichen Buch. Der Inhaltist fast ohne Lücke und falschen Zusatz, der Stil überfliessendin guten Reden und Sprüchen. Es ganz lebendig zu über-setzen gehörte ein Fischart J ) und sein Zeitalter dazu; wirdenken es indessen in dem zweiten Band der vorliegendenSammlung zu verdeutschen, worin auch alles andere, was fremdeQuellen gewähren, seinen Platz finden soll.
l ) Welch ein viel besseres Märchenbuch als das unsrige hatte dieser mitder damaligen Sprache und mit seinem bewunderungswürdigen Gedächtnisaufschreiben können, wenn er anders den Werth einer getreuen, ungefälschtenAufzeichnung erkannt hätte.