VORREDE ZUM ERSTEN BAND. 325
Weil diese Poesie dem ersten und einfachsten Leben sonah liegt, so sehen wir darin den Grund ihrer allgemeinenVerbreitung, denn es giebt wohl kein Volk, welches sie ganzentbehrt. Selbst die Neger im westlichen Afrika vergnügenihre Kinder mit Erzählungen, und von den Griechen sagt esStrabo ausdrücklich (man wird dies Zeugnis am Ende finden *)bei den andern, welche beweisen, wie sehr diejenigen, die ge-wusst, was eine solche unmittelbar zum Herzen redende Stimmewerth ist, solche Märchen geschätzt haben). Noch ein andererhöchst merkwürdiger Umstand erklärt sich daraus, nämlich diegrosse Ausbreitung dieser deutschen. Sie erreichen hierinnicht bloss die Heldensagen von Siegfried dem Drachentödter,sondern sie übertreffen diese sogar, indem wir sie, und genaudieselben, durch ganz Europa verbreitet finden, so dass sichin ihnen eine Verwandtschaft der edelsten Völker offenbart.Aus dem Norden kennen wir nur die dänischen Kämpe-Viser,die vieles Hierhergehörige enthalten, wenn gleich schon als Lied,welches nicht mehr ganz für Kinder passt, weil es gesungensein will, doch lässt sich hier die Grenze eben so wenig genauangeben, als zu der ernsthafteren historischen Sage, und esgiebt allerdings Vereinigungspunkte. England besitzt die Ta-bartische eben nicht sehr reiche Sammlung, aber welche Reich-thümer von mündlicher Sage müssen in Wallis, Schottland undIrland noch vorhanden sein, ersteres hat in seinen (jetzt ge-druckten) Mabinogion allein einen wahren Schatz. Auf eineähnliche Weise sind Norwegen, Schweden und Dänemark reichgeblieben, weniger vielleicht die südlichen Länder; aus Spanienist uns nichts bewusst, doch lässt eine Stelle des Cervantesüber das Dasein und Erzählen der Märchen keinen Zweifel*).Frankreich hat gewiss noch jetzt mehr, als was Charles Perrault
*) S. XXII. Zeugnisse für Kindermärehen. Strabo I, 2. §3 ed. 1620p. 19. „Wir erzählen den Kindern, um sie zu ermuntern, angenehme Ge-schichten und, um sie abzuhalten, schreckliche Märchen, wie die von derLamia, der Gorgone, von Ephialtes und Mormolyk."
] ) — y aquellas (cosas) que ä ti te deven parecer profecias, no son sinopalabras de consejas, o cuentos de viejas, como aquellos del cavallosin cabeca, y de la varilla de virtudes, con que se entretienen alfuego las dilatadas noches del invierno. Colloq. entre cip. y. Berg.