VORREDE.
Kinder- und Haus-Märchen. Gesammelt durch die Brüder Grimm. Berlin,in der Realschulbuchhandlunff. 1812. 8. S. V—XXI.
VV ir finden es wohl, wenn Sturm oder anderes Unglück,vom Himmel geschickt, eine ganze Saat zu Boden geschlagen,dass noch bei niedrigen Hecken oder Sträuchen, die am Wegestehen, ein kleiner Platz sich gesichert und einzelne Ährenaufrecht geblieben sind. Scheint dann die Sonne wieder günstig,so wachsen sie einsam und unbeachtet fort, keine frühe Sichelschneidet sie für die grossen Vorrathskammern, aber im Spät-sommer, wenn sie reif und voll geworden, kommen arme,fromme Hände, die sie suchen; und Ähre an Ähre gelegt,sorgfältig gebunden und höher geachtet, als ganze Garben,werden sie heimgetragen und Winterlang sind sie Nahrung,vielleicht auch der einzige Samen für die Zukunft. So ist esuns, wenn wir den Reichthum deutscher Dichtung in frühenZeiten betrachten und dann sehen, dass von so vielem nichtslebendig sich erhalten, selbst die Erinnerung daran verlorenwar und nur Volkslieder und diese unschuldigen Hausmärchenübrig geblieben sind. Die Plätze am Ofen, der Küchenherd,Bodentreppen, Feiertage noch gefeiert, Triften und Wälder inihrer Stille, vor allem die ungetrübte Phantasie sind die Heckengewesen, die sie gesichert und einer Zeit aus der andern über-liefert haben.
So denken wir jetzt, nachdem wir diese Sammlung über-sehen; anfangs glaubten wir auch hier schon vieles zu Grund