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1 (1881)
Seite
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318 ZU DEN HÄKCHEN.

ich ihn erst gestern zum letzten Mal gesehen, als stände er nochauf grüner Erde wie ein Baum, der seine Krone in der Morgen-sonne schüttelt.

Ihre Kinder sind gross geworden und bedürfen der Märchennicht mehr: Sie selbst haben schwerlich Veranlassung sie wiederzu lesen, aber die unversiegbare Jugend Ihres Herzens nimmtdoch das Geschenk treuer Freundschaft und Liebe gerne vonuns an.

[Göttingen am 15. Mai 1837.]

Mit diesen Worten sendete ich Ihnen das Buch vor dreiJahren aus Göttingen, heute sende ich es Ihnen wieder ausmeinem Geburtslande, wie das erste Mal. Ich konnte in Göttingenaus meinem Arbeitszimmer nur ein Paar über die Dächer hin-ausragende Linden sehen, die Heyne hinter seinem Hausegepflanzt hatte, und die mit dem Ruhm der Universität aufge-wachsen waren: ihre Blätter waren gelb und wollten abfallen,als ich am 3. October 1838 meine Wohnung verliess; ichglaube nicht dass ich sie je wieder im Frühlingsschmuck er-blicke. Ich musste noch einige Wochen dort verweilen undbrachte sie in dem Hause eines Freundes zu, im Umgange mitdenen, welche mir lieb geworden und lieb geblieben waren.Als ich abreiste, wurde mein Wagen von einem Zug aufgehalten:es war die Universität, die einer Leiche folgte. Ich langte inder Dunkelheit hier an und trat in dasselbe Haus, das ich voracht Jahren in bitterer Kälte verlassen hatte: wie war ichüberrascht, als ich Sie, liebe Bettine, fand neben den Meinigensitzend, Beistand und Hülfe meiner kranken Frau leistend. Seitjener verhängnisvollen Zeit, die unser ruhiges Leben zerstörte,haben Sie mit warmer Treue an unserm Geschick Theil ge-nommen, und ich empfinde diese Theilnahme ebenso wohlthätigals die Wärme des blauen Himmels, der jetzt in mein Zimmerherein blickt, wo ich die Sonne wieder am Morgen aufsteigenund ihre Bahn über die Berge vollenden sehe, unter welchender Fluss glänzend herzieht; die Düfte der Orangen und Lindendringen aus dem Park herauf, und ich fühle mich in Liebe undHass jugendlich erfrischt. Kann ich eine bessere Zeit wünschen,