VORWORT ZU ARNIMS WERKEN. 313
immer aber war der Duft, der davon aufstieg, rein und erfrischend.Wenn der freigewordene Geist den Gegenstand völlig durch-drungen hat, so entspringt die wahre Form von selbst, und in-soweit haben diejenigen nicht Unrecht, welche das Wesen derPoesie in die volle Einigung des Gedankens mit dem Wortesetzen: aber nur in Zeiten, wo einfache, gesicherte, natur-gemässe Zustände eine sorglose Entfaltung gestatten, habenDichter ohne Mühe das Rechte getroffen: in unserer, der glück-lichen Beschränkung entwachsenen, von tausend Fragen gequältenWelt ist es dem Einzelnen selten vergönnt, die von allen Seitenaufdringenden Erscheinungen gleichmässig zu erfüllen. Auchdem sonst gelungenen Gusse bleiben einzelne Theile aus, undwie geschickt sie von dem Verstände ergänzt werden, sie er-mangeln der innigen Verbindung mit dem, was unmittelbaraus der Seele entsprungen ist. Arnim, dem aller Schein zu-wider war, hat niemals besondere Mühe darauf verwendet, diesesVerhältnis zu verstecken. Die kühnsten Übergänge warenihm in dieser Lage die liebsten, und er stellte ohne Bedenkendas Seltsamste und Überraschendste mit dem allgemein Gültigen,die einfachsten, jedes menschliche Herz ansprechenden Liedermit den geheimnisvollsten, deren Zusammenhang ihm vielleichtallein vollständig bekannt war, nahe zusammen. Er war wiejemand, der plötzlich die Gesellschaft verlässt, um in Waldes-einsamkeit bloss mit den eigenen Gedanken zu verkehren. Fastin allen seinen Dichtungen, selbst in seiner Sprache, währendsie sich mit der frischesten Lebendigkeit bewegt, wird manSpuren dieser Einsamkeit entdecken.
Aber die wahre Poesie, auch wenn sie wollte, kann sichder Gegenwart nicht entziehen, sie strebt unwillkürlich bis inihre feinsten Adern zu dringen. Man hat Arnim zu denromantischen Dichtern gezählt, weil ihn die Betrachtung frühererZeiten reizte und er ernstlich bemüht war, Sage und Geschichte,Recht und Sitte seines Volkes kennen zu lernen, aber es warihm nicht bloss um poetische Ergötzlichkeit zu thun, der Gewinnsollte den Mitlebenden zu gut kommen. Gerade in dem Werk,welches den Übergang des Mittelalters in die neuere Zeit, undgewiss mit- überraschender Einsicht und dem anmuthigsten