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1 (1881)
Seite
304
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304 KUNSTPOESIE.

liehen Neigung entsprechend finden wir ihn erst auf demRitterpferde bei dem Einzüge des Kaisers in Augsburg. DieDarstellung gleicht hier der Malerei guter altdeutscher Bilder,so fleissig, wahr, sorgfältig ist sie, ohne mühselig zu sein, inallem Einzelnen, dabei so mannigfach und glänzend. Es ge-hört eine eigene Sicherheit dazu, die Farben hell und ungetrübtin ihrer Pracht spielen zu lassen. Dabei hat der Dichter dasGlück, oft ein gesammeltes Licht auf die Wahrheit der Dar-stellungen zu ziehen; z. B. bei der Heilung:der Schornsteinstreckte eine feurige Zunge gen Himmel"; bei der Beschreibungder fürstlichen Braut, wie sie ihre Schönheit hinter dem Pfauen-wadel versteckt; bei Alma, wie sie ihren Feldblumenkranz aufdem Haupte mit dem Rosenbusch am Busen bekannt macht.Ferner der kleine Zug, dass sich Bertholds Gestalt zu langund dünn für alle Rüstungen findet, welches seinem Stuben-sitzen zugeschrieben wird, wo dann die Rüstung seiner Ahnen,die ihm passt, uns einen Blick in die Zeiten des alten Herrscher-geschlechts gewährt. Die ruhige Beherrschung der Erzählungwird unterbrochen durch die Nachricht von Apolloniens früheremLeben; man sieht, dass der Erzähler in diesem Augenblickungern die grosse Heerstrasse, deren Aussichten sich mannig-faltig erweitern, verlässt, um uns mit dem nebeneinlaufendenKnüppeldamm von Apolloniens Begebenheiten bekannt zumachen. Er räumt da schnell auf und hat Recht, denn derNebenweg enthält nicht viel Erfreuliches, aber Wahrheit genugin der Art des Schicksals, denn aus doppelten Blüthen erwächstnie eine Frucht. Ihr Charakter gehört aber auch zu denen,wo der Dichter etwas Verschiedenartiges zusammengesetzt zuhaben scheint; es wird sich nicht jeder den Raum zwischender schönen Jungfrau, die uns von der nächtlichen Kirchen-scene als eine edle Gestalt mit dem Lamme im Arm in Ge-danken schwebt, bis zu dem zankenden Weibe mit einem nichtabzuleugnenden Zuge von Gemeinheit ausfüllen können. Annadagegen ist meisterhaft gehalten und. reizend im Gefühl ihresschönen, gesunden und tüchtigen Daseins, obgleich der Dichteruns nie ganz ihre Abkunft vergessen lässt und gewisse Bei-mischungen, z. B. die Neigung, mit den Mägden sich zu unter-