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1 (1881)
Seite
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296 KÜNSTPOESIE.

der Schluss durch sie sehr gut herbeigeführt wird, so nimmtsie doch zu viel Platz ein und schiebt ihn zu weit zurück. Siehemmt den Strom der Dichtung, den sie durch zu viele Inselnin kleine Arme zertheilt; oder, um es anders auszudrücken, essind in diesem Theil des Buches zu viele einzelne Bilder zu-sammengestellt, deren helle Farben uns vor den Augen flackernund in der ruhigen Betrachtung des Ganzen stören. Diekomischen Stücke sind alle in ihrer verschiedenen Manier un-gemein ergötzlich, zumeist das Puppenspiel: witzig ist die Zeitin der Art copirt, womit der Messias sich einführt und ver-kündigt. Unter den ernsthaften geben wir der Päpstin Johannabei weitem den Vorzug. Dieses Bruchstück ist wunderbarherrlich: wir wissen nicht, wo der Zusammenklang des ebenerwachten Blumenlebens der Kindheit mit der Natur zarter undrührender dargestellt wäre, und wir wünschen gewiss mit allenLesern dessen Vollendung. In den Liedern ist eine tiefe Em-pfindung ausgedrückt. Nur wird die Freiheit, womit die Sprachedarin behandelt wird, zumal für den Ungeübten beim erstenLesen öfters eine Dunkelheit verursachen, die besonders ineinem Lied nachtheilig ist, das bei seinem Schweben sehr klarsein muss, um den Zusammenhang nicht vermissen zu lassen^Eigenthümlich ist in vielen die Gewalt, mit welcher einzelneAugenblicke, die wohl ein jeder erlebt hat, ohne sie festhaltenzu können, ergriffen sind. Wer ist etwa nicht einmal in einemgrünen Wald gegangen, wo plötzlich ein leiser Wind die Bäumebewegt, dass ein wunderbares Licht durch alle Blätter dringtund die Regentropfen glänzend an allen Spitzen hängen; deralsbald wieder nachgelassen, die Blätter senkten sich wieder zuund das Licht war verschwunden und es war wie zuvor, dieErinnerung daran aber verschwand, wie ein Bild, das eben imTraum hell vor uns gestanden. Solche Momente werden unsin diesen Liedern zurückgerufen; wir wollen, was wir meinen^durch ein kurzes Beispiel deutlich machen, da ein grösseres derKaum nicht erlaubt. B. 2, S. 322:

Der Kirschbaum blüht, ich sitze da im Stillen,Die Blüthe sinkt, und mag die Lippen füllen:Auch sinkt der Mond schon in der Erde SchoossUnd schien so munter, schien so roth und gross;