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1 (1881)
Seite
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ARNIMS DOLORES. 293

aber kann die Poesie nicht endigen: der Graf versündigt sichan ihr und darf ihr nun verzeihen. Dolores wendet sich zueinem besseren Leben, sie übt eine schöne Busse in grosserMutterliebe und eine Reihe glücklicher Jahre sind ihr Lohn.Aber sie hat die That nicht vernichten können. Die ewigeGerechtigkeit übt ihr Recht und bereitet ihr durch jene denUntergang. Sie glaubt, der Graf habe dasselbe Verbrechenbegangen, dessen sie gegen ihn sich schuldig gemacht, und derSchmerz darüber bringt ihr den Tod. Doch stirbt sie nicht indiesem Glauben, sondern in reinem Frieden.

Diese Ansicht haben wir von dem Buch gewonnen, wobeiwir uns bescheiden, dass mannigfache Beziehungen und Be-deutungen uns verborgen geblieben. Es ist das Schicksal derDichter, die Erklärungen aller berühmten werden das beweisen,fast immer nur von einer Seite erkannt worden zu sein, wieja auch ein organisches Kunstwerk so verschiedene Auslegungzulässt und richtige, die der Dichter gerade nicht vor Augengehabt.

Mit diesem Bewusstsein wollen wir auch unser Urtheilsagen. Am liebsten ist uns gegen die Sitte immer der Heldgewesen, der Charakter des Grafen ist am beharrlichsten durch-geführt, die adeliche, reine und wieder so menschliche Gesinnung,die Liebe, die bei allen Wendungen und Anmuthungen desSchicksals treu bleibt und nicht untergeht, wie der Ring selbstaus dem Meer wieder hervorkommt. Wenn das Menschlichein ihm nicht recht ist, etwa in der Meinung, es sei Schwäche,dass er sich nicht alsbald gereinigt und getrennt von der Do-lores, wie er empfunden, dass keine Liebe in ihr, als die zuihr selbst, der sollte bedenken, dass wir durch solche Züge erstein nahes Interesse und Vertrauen zu ihm gewinnen, da eineganz überfliessende Vortrefflichkeit, wie etwa Albanos im Titan,uns allzuweit zurückstellt: hängt doch die alte Sage dem grösstenHelden Deutschlands, dem Dietrich von Bern, die Makel an,dass ihm niemals der Bart wachsen wollte. In der GräfinDolores ist das Böse der Zeit. Mit grosser Kunst ist sie mitder edleren Natur des Grafen in mannigfachen Lagen zusammen-gestellt. Der ganze erste Band ist vortrefflich, in ruhiger Ent-