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1 (1881)
Seite
292
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292 IOTNSTPOESIE.

geschriebenen Roman von dem Simplicissimus, der allerdingsin dieser Reihe steht und ein vortreffliches Buch ist: dass nichtalles darin abgemessen, wie wir messen, übersehen wir leicht,aber wir erstaunen über die grosse Lebendigkeit darin, überdie reiche Erfahrung, die darin niedergelegt, und über das helleBild jener Zeiten, das darin abgedrückt ist.

Wir stellen unseren Roman in diese Reihe, weil wir eingleiches Hindringen und Hinweisen zum Lebendigen darin er-kennen. Haben wir den Dichter verstanden, so ist seine Auf-gabe, das Ewige und Unvergängliche der göttlichen Liebe, dasSelbstvergessen in dem liebevollen Umfassen des Ganzen dar-zustellen, wie den uothweiidigeu Untergang eines gegen den imAllgemeinen offenbarten Gott verschlossenen, in sich zurück-gezogenen Daseins. Die Liebe ist in dem Graf Karl, in einemedlen Gemüth, blühend, doch nicht übermässig, sondern inschöner Thätigkeit sich ausbreitend, Früchte zugleich tragend:adelich in rechtem Sinn, mit dem Bewuss-tsein, dass alle ausgemeinschaftlichem Boden erwachsen. Die Sünde ist in derGräfin Dolores, innerlich leer und darum schlecht. Was ihnan sie knüpft, ist ihr Reiz und ihre Anmuth und die Engel,die aus ihren Augen blicken können. Denn wie einem leerenGemüth die ganze Welt mit dem Grössten, was sie hat, baldunbedeutend wird, so trägt die Liebe sich in alles über undsie muss in allem Sinnlichen auch ein Geistiges, Übersinnlichesvoraussetzen, wie hier in der Schönheit, und das zieht ihn stetszu ihr hin. Meisterhaft ist es nun in ihrer Ehe dargestellt, wieihr nichts helfen will, die innere Noth zu überwältigen; dieFreude verwelkt ihr bald, wie Rübezahls Menschen, weil nurdie Liebe ihr Dauer giebt: was er gesäet, ist bald verthan undin Augenblicken muss er empfinden, dass seine Liebe einsamsei, aber sein treues Gemüth lässt keinem bösen Glauben Raum.Die Rosen blühen noch um den Ring, wie sie aber nur fort-leben, wenn der Thau eines reinen Himmels darauf fällt, nichtaber unter dem Gewitterdruck einer Schuld, so fallen sie ab,aber die Dornen bleiben übrig. Ein schlechtes Leben stehtnicht still, es führt sich immer weiter: so wird sie auch vonihrer innern Trostlosigkeit zum Verbrechen geleitet. Damit