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1 (1881)
Seite
291
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ARNIMS DOLORES. 291

Flüsse, aber auch in die einsamste Hütte und betrachtet dasniedrigste Leben, wie das höchste. Während unten bei lustigenFeuern das Volk sich lagert und tummelt, hat der König unddie Helden die Nachtwache oben auf den Bergen, er sieht dieSterne und ihren Gang und welches Schicksal sie verkündigen,und auf seinen Ruf versammeln sich alle gehorsam unter ihm.Der Roman entsteht da, wo das Leben einsam geworden, ineinem gemeinschaftlichen Interesse sich nicht mehr vereinigt,wo es keine öffentliche Versammlung mehr giebt. Er betrachtetdie Erscheinung und das Streben des Einzelnen in dieser Zeit,die Verbindung der Familien, die wir als das Liebste undWichtigste derselben ansehen: alles, was nicht erstarrt, sich nochregen und bewegen kann. Jemand also, der den Unterschiedzwischen dem Antiken und Romantischen nicht wollte geltenlassen, weil er bloss ein historischer, nicht in der Natur be-gründeter ist, würde sich nicht damit begnügen, wenn der Ro-man nach der bekannten Definition ein romantisches Buch wäre,er würde auch das verlangen, was einst im Antiken war, näm-lich ein gegenwärtiges Leben. Unsere Tragödie spielt meist imAntiken und Romantischen und hat sich abgelöst von all unserenVerhältnissen: bei den Griechen war die alte Mythengeschichteihr Gegenstand, an welchen die Gegenwart noch mit tausendFäden angeknüpft war und die als Chor personificirt auchwirkend eingriff. Eine Komödie giebt es kaum, doch dasWenige, was existiA,,verfehlt nie seine Wirkung. So bleibt esdem Roman allein übrig, bildend und belehrend zu sein, indemer das Leben berührt; in diesem Sinn nannten wir ihn daswichtigste Buch und so wird hier (B. 2 S. 288) gefragt:Wasist uns denn in einer Geschichte wichtig? Doch wohl nicht,wie sie auf einer wunderlichen Bahn Menschen aus der Wiegeins Grab zieht? Nein, die ewige Berührung in allem, wodurchjede Begebenheit zu unserer eigenen wird, in uns fortlebt, einewiges Zeugnis, dass alles Leben aus Einem stamme und zuEinem wiederkehre." Wer kann den Vortheil ermessen, den derWilhelm Meister gestiftet? Hier muss das herrliche VerdienstJean Pauls genannt werden und er der Dichter der Zeit imedelsten Sinne. Hierauf erwähnen wir den im 17. Jahrhundert