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1 (1881)
Seite
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288 KUNSTPOESIE.

sich berechtigt glauben, ihren Jammer und ihre Klagen überdie deutsche Litteratur auszuschreien, als liege sie im tiefstenElend; sie verweisen dabei auf fremde Muster und lassen merken,dass ihnen noch allein die rechte Einsicht geblieben, oder sietoben in possierlicher Wuth und meinen, sie seien Vorfechterder bedrängten Poesie; sie ermuthigen sich auch wohl (wie imSprichwort der Frosch den Schwaben) mit dem Zuruf: hierstehen wir Helden! Wir sollen von unseren Fehlern und Sündendurchdrungen sein, aber nicht durch ein endloses und doch nureitles Klagen, sondern durch die That uns bessern; die erstePflicht wird dann sein, jedes Bestehende, jede Bestrebung an-erkennend und der Freude und dem Genuss wieder empfänglichzu machen, die Milde gegen das Dargebotene in der Poesie maggern mit den strengsten Beorderungen auf Vervollkommnen sichvereinigen. Unsere Betrachtungen über dies Buch schliessenwir mit folgender:

Wir dürfen uns nicht verhehlen, dass die Möglichkeit, inlitterarischer Hinsicht eine grosse Masse von Büchern durchzu-laufen, sie zu ordnen und zur Bequemlichkeit nach gewissenGrundsätzen in der Bibliothek aufzustellen, uns gar leicht aufden Gedanken bringen kann, die Arbeiten ganzer Jahrhundertewirklich zu fühlen, zu übersehen und darstellen zu können, wäh-rend ein Dichter, wenn wir durch Zufall auf ihn beschränktsind, uns mit den Jahren vielseitiger, bedeutender erscheinenmöchte, als das Jahrhundert, mit welchem, so wie mit Hundertseines Gleichen, wir beurtheilend fertig geworden sind. Wirwünschen Herrn Hörn dieses Glück, dass er einen Dichter odersich selbst als Dichter so lieben lerne, dass er nicht über ihnoder über sich schreiben möge oder über ihn oder über sichallein; und indem er die anderen vergisst, so wird er die Masseleichtsinniger Urtheile, die deutsche Gesellschaften so langweiligmachen, nicht zu vermehren sich bemühen.

GVmr. [= W-mGr.]