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1 (1881)
Seite
284
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284 KUNSTPOESIE.

der Seite, von welcher es ausgegangen, eingelenkt wird, sokönnen wir es auch der Zeit überlassen, den Ossian in seinRecht wieder herzustellen, daher wir den Verfasser hier nichtausführlich widerlegen, sondern uns nur gegen ihn erklärenwollen. Merkwürdig wird es immer bleiben, wie es möglichgeworden, eine Dichtung, in welcher das tiefste, reinste Gefühlfür die Natur, eine grossartige Schwerrnuth, wie sie nur einemganzen Volk eigen sein kann, das an seine versinkende Helden-zeit gedenkt, erhitzt und gequält genannt werden kann.

Neben diese Ungerechtigkeiten müssen wir auch Nach-lässigkeiten aufstellen. Durch seine Kürze freilich sichert sichder Verfasser wieder gegen Vorwürfe, und wir müssen glauben,es sei Absicht, nicht mehr zu geben. Indes erräth man nicht,warum z. B. in dem Artikel Neubert (Naubert) gerade die bestenArbeiten dieser Dichterin übergangen worden, die zu manchemLob Anlass gegeben, die Volksmärchen (4 Bde), Wallfahrtender Pilger und Elisabeth von Toggenburg; in dem letzteren Bucheist die Erzählung von zwei auf den Alpen verirrten Mädchenbesonders gut erfunden und gründlich behandelt. Dass an Voll-ständigkeit, auch nur im beschränkten Sinn, bei diesem Werknicht zu denken sei, wird man aus dem Inhalt gleich bemerken,und wir können uns hier nicht darauf einlassen, die Lückenalle anzugeben: mancher Bessere ist übergangen, der vor anderenoffenbar eine Stelle verdient, z. B. Stilling Jung, es sei nun seinerRomane, seiner einfachen und herzlichen Romanzen oder derersten Bände seiner Lebensbeschreibung wegen, welche letztereniemand ohne Gefallen und Theilnahme lesen kann und derenErscheinung Goethe selbst veranlasste. Dagegen erhält Gedike,der als Dichter doch nicht den geringsten Eindruck hinterlassen,fünf Paragraphen, wiederum bloss persönlicher Rücksichtenhalber. Noch auffallender ist das gänzliche Stillschweigen übereinen in vielfacher Hinsicht ausgezeichneten Dichter, dem MalerMüller, vorsätzlich nicht zu erklären, schwer aus Übersehen, daeine Sammlung seiner Werke neuerdings die Aufmerksamkeitauf ihn gelenkt hat. Wiewohl die Zeit seiner Bildung nicht inihm zu verkennen, ist es doch ein kräftiger, origineller Geist,die Idyllen, die paradiesischen Bilder sind in ihrer Art vortreft-