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1 (1881)
Seite
275
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DIE SCHÖNE LITTERATUR DEUTSCHLANDS VON HÖRN. 275

sie sind niemals fad. Was ihm aber in unseren Augen vor-züglichen Werth gicbt, das ist sein Gefühl für das Ursprüng-liche der Poesie, ein gutes Gedicht seiner Zeit zu erkennen istleicht, aber schwer, ein ihr ganz entfremdetes, und hier erscheintsein Verdienst für die altdeutsche Litteratur in hellem Licht;dass er die Gedichte durch Abdruck mittheilen konnte, dafürmüssen wir glücklichen Umständen Dank wissen, aber sein Eiferdafür, seine Erkenntnis ihres Werths, die ihm von niemandemmitgetheilt und gar nicht oberflächlich war, ehrt ihn unabhängigdavon. Man braucht nur seine Einleitung zu den Minnesängernzu lesen, um zu fühlen, dass kein Geistloser und Beschränkterdavon rede, man sehe seine Vorrede zu dem Nibelungenlied(Chriemhildens Rache), wie er den Vorrang desselben vor denanderen Gedichten des Mittelalters und seine Verwandtschaft mitdem Homer empfunden, die der einzige Johannes Müller nurnoch anerkannte. Herr Hörn denkt nicht daran, dass niemandweiter um das grosse Epos sich bekümmerte und es geradezuwieder vergessen wurde (worüber Bodmer mit Recht hätte em-pfindlich sein können), um ihm vorzuwerfen, dass er die späterenMeistersänger für gemeine Reimer gehalten, was sie doch gröss-tenteils auch gewesen sind. Freilich haben wir bessere An-sicht vom Homer, und manche Theorie ist veraltet, allein dassind Vortheile, welche unsere Zeit verleiht, und ein Einzelnerdarf nicht zu stolz damit gegen einen anderen thun, dem, ummit ihm darin auf gleicher Stufe zu stehen, bloss fehlt, dass ernicht sein Zeitgenosse ist. Als Kritiker Bodmer zu zernichten,soll der Umstand hinreichen, dass er die Musik gehasst undden Reim verworfen, es scheint kaum nöthig zu bemerken, dasswir bei ausgezeichneteren Geistern, als Bodmer war, solche Ein-seitigkeiten finden, sonst schlagen wir Herrn Hörn vor, Schillerdamit zu charakterisiren, dass er, wie bekannt, die Minneliederverachtete. Wir wollen nicht alle einzelnen Ausfälle auf Bodmerbeantworten und nur noch von einem Buche desselben reden,das Herr Hörn anzuführen nicht werth gehalten: es ist dieÜbersetzung von Percys reliques unter dem Titel: AltenglischeBalladen, welche besonders für ihre Zeit Lob verdient. Sovielwir wissen, ist es die erste Anerkennung dieser herrlichen Lieder

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