274 KUNSTPOESIE.
diese Dichter ist die der vermittelnden Kritik, welche, insofernsie geltend zu machen strebt, was sich von selbst gebildet, vor-trefflich ist; den hier, zumal in ihrer Allgemeinheit gefälltenUrtheilen wird man zu widersprechen nicht leicht in Ver-suchung kommen, man ist so ziemlich einig darin. Interessekönnen sie nicht erregen, weil sie zu kurz und eilend sind,nur ein genaues Einführen in das Treiben jener Zeit mag dieserwecken, und dann wird sich auch zeigen, ob wir uns zuvielvergeben, wenn wir uns einmal ihm überlassen. Wir wollenniemand tadeln, der eine reichere belohnendere Epoche zumStudium sich wählt, wer sich aber jener annimmt, dem könnenwir auch nichts erlassen. Dabei glauben wir, dass wie einearme Gegend in gewissen Stimmungen einen eigenen Reiz undein gewisses wohlwollendes Hinneigen zur Betrachtung ihresgeringen Schmucks erweckt, etwas Ahnliches bei einem solchenStudium nicht ausbleiben werde. Indessen eine auffallende Un-gerechtigkeit des Verfassers in dieser Periode müssen wir be-merken. Sie betrifft Bodmer. Mitten unter den billigsten undruhigen Urtheilen, so dass Gottsched sogleich darauf in einemweit günstigeren Licht erscheint, wird hart und wie persönlichüber diesen verdienten Mann hergefallen. „Beschränktheit undBornirtheit hat ihn sein ganzes Leben nicht verlassen, alleDichter hat er gehasst und gehöhnt. Selbst die Waffen derrohsten Polemik versagten ihm oft, ohne Witz und Graziekonnte er nur Schimpfreden aufbringen, als Dichter zeigt ernicht die leiseste Spur von Talent, und seine Werke erkälteteine jammervolle Mühseligkeit; was man rühmen möchte, seineBekämpfung Gottscheds und die Bekanntmachung mehrerer alt-deutscher Gedichte ist schon oft genug gerühmt." Wir müssendas längst ausgesprochene Urtheil der Zeit gegen Herrn Hörnwieder herstellen. Als Dichter hat Bodmer der ursprünglichenQuelle, der ewig jugendlichen schaffenden Kraft ermangelt,darum ist er als solcher vergessen und nur für seine Zeit da-gewesen; dagegen ist ihm Talent zur Poesie gewiss nicht ab-zustreiten, seine Gedichte mögen auf alle Art von selbstgebil-deten Theorien und Ansichten erzeugt, grau und langweiligsein, ein gewisser Grund und Verstand ist aber sichtbar und