276 KUNSTPOESIE.
in Deutschland, und die Arbeit selbst zeigt eine sichere undfeste Hand, darum alles gleichförmig geworden, auch nichtsverziert und verweichlicht, worunter neuere Übersetzungen eherleiden, und wir ziehen diese in manchen Stücken sogar den Her-derischen in den Stimmen der Völker vor. Die Stücke aus demNibelungenlied und dem Parcival sind mit Einsicht gewählt undbehandelt. Angehängt sind einige polemische Stücke in Hexa-metern, die Herr Hörn gewiss besser scandiren kann, aber wederroh noch schimpfend, sondern in einigen Bemerkungen wahr;ebenso ist, was bei der Büsserin gegen Stollbergs Bearbeitunggesagt wird, durchaus begründet. — Auch einige andere Ur-theile scheinen uns im Gegensatz zu der vorherrschenden Mildezu hart, z. B. das gegen Zachariä, dessen Renommist das Stu-dentenwesen gerade nicht schlecht aufgefasst hat und durch dieseWahrheit "Werth behält. Wogegen wir der verschiedentlichdurchbrechenden ungemessenen Verehrung vor Flemming wohleinige Schranken setzen möchten.
Das Urtheil über Klopstock geht darauf hinaus, die Ver-dienste dieses tiefempfindenden und ausgezeichneten Geistes insLicht zu setzen, das gewiss zu billigen ist: wir wünschten nurdie Gründe näher bestimmt, warum bei vielem Poetischen, dasin der Messiade nicht zu verkennen, dieses Gedicht doch keinennationalen Eindruck gemacht, mehr entfernt geachtet als eifriggelesen wird. Der Unterschied zwischen dem Materialen derPoesie und der Poesie selbst, an w r elchen zu erinnern der Ver-fasser für heilsam hält, hilft hier nicht, weil er überall vorkommt,und die Klage, dass die Sprache sich unüberwindlich gezeigt,wohl jeder grosse und edle Dichter hat führen müssen. WieHerr Hörn sich öfter gleichsam selbst bestiehlt, so hat er beidieser Gelegenheit eine ganze Seite aus seinem früheren Werkwieder eingezogen; wir können ihn keines Plagiats beschuldigen,aber wir wissen nicht recht, wie bei einem stets lebendigenStudium einem Autor dies möglich ist. Auch ein Gleichnis istdorther entlehnt, um Klopstocks dramatische Versuche zu ent-schuldigen, sie seien wie ein Baum, dem man mit Fleiss alleBlätter abstreift; es ist nicht unpassend, da es andeutet, wieunser Blick nirgends an dieser Kälte und Starrheit haften kann,