DIE SCHONE LITTER ATUR DEUTSCHLANDS VON HÖRN. 267
ist, aber nur eine leichte Betrachtung der vorliegenden über-zeugt, wie kurz, unbefriedigend und geradezu unbedeutend eineMenge Paragraphen sind. Wären Vorarbeiten zu benutzen ge-wesen und das genaueste Detail schon untersucht, so könnteman es ausführbar denken, die Resultate in einen so engenKaum zusammenzudrängen, hier aber bietet die erste Arbeitsogleich den letzten Gewinn dar. Recensent darf den Irrthumvermuthen, als sei das Ausführliche nur bis zu einem gewissenPunkt nöthig oder wünschenswerth, weiterhin unnütz und zer-streuend. Aus dem entgegengesetzten entstanden, der das ge-lehrte Detail ohne grossen und lebendigen Zusammenhang hatgeltend machen wollen, ist dieser Irrthum gerade in dieser Zeitschädlicher als je, in welcher man gern alles Besondere und Eigen-thümliche in einer gewissen unerquicklichen philosophischen All-gemeinheit verschwimmen und aufgehen lässt, und wir setzengeradezu entgegen, dass erst die Erforschung eines jeden De-tails in der Wissenschaft die rechte Erkenntnis, wie in der Poesiedie rechte Lust gewähre. Was hernach mitgetheilt werdendürfe, wird der Geist wissen, der empfindet, in welchen Äusse-rungen das Leben sich am sichersten gezeigt; aber wie andersund eindringlicher lauten dann die Resultate, als die Worteunseres Verfassers können, wenn sie die Frucht eines solchenernsthaften Studiums sind. Die Ungleichheit in dieser Schriftkann niemandem entgehen, während bei einem Dichter voneinem manchmal kleinen Erzeugnis ausführlich die Rede ist,wird bei dem anderen kaum Namen und Titel seiner Werkegenannt. Dies führt zu dem Urtheil, dass, wenn ein gewisserFleiss des Verfassers nicht zu verkennen ist, ihm dennoch derrechte gefehlt; was er geliefert, ist kein Werk vollendeter Unter-suchungen, sondern mehr einer gefälligen bequemen Ansicht.Die Wissenschaft, die jede Strenge und jeden Ernst fordert,hat einiges, aber doch nicht viel gewonnen. Darf man dieArbeit nicht so oberflächlich nennen, wie die Geschichte derDeutschen Poesie, die der Verfasser vor mehreren Jahren her-ausgab, in vielen Theilen wirklich ist, so ist sie doch leicht, esfehlt ihr an Tiefe und daher an begründetem Recht auf Dauer.Indessen, wie jenes Buch manchem eine willkommene Leetüre