Druckschrift 
1 (1881)
Seite
263
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DER GOLDFADEN VON BRENTANO. 263

Schliesslich wäre nun auch die Auffindung und Bekannt-machung eines andern alten Romans zu wünschen, des vonLotarius und Wilibald, dem unsaubern Knaben, den Koch(Bd II, S. 360) sehr problematisch behandelt, welcher aber vondemselben Wickram, und zu welchem eben dieser Leufried alsein Gegenstück geschrieben worden ist, damit man umgekehrtsehe, wie der böse Muthwillen sich den Rittergarten des Lebensverscherzt und auf der kahlen Hirten wiese, von Sonne undArmuth zerbrennt, sein Ende nimmt. Um aber WickramsEigenthümlichkeit als Dichter besser kennen zu lernen, wäreein neuer Abdruck eines andern seiner Werke, des seltenenirrleitenden Pilgers, zu wünschen, das freilich keines so allgemeinzusprechenden Inhaltes, wie der Goldfaden, aber wohl werthwäre, in einer abkürzenden Bearbeitung wieder zu erscheinen.Wir setzen als Probe desselben eine Stelle hierher, worin derallgemeinen Verständlichkeit wegen einiges unbedeutend ge-ändert ist.

Der Garten war gross, lang und breit,Worin er trat zur Morgenzeit,Mit schönen Hecken unterfangen,So selbst gewachsen und aufgegangen.Zu äusserst um den Garten giengEine schöne Mauer, die ihn umfieng,Die war inwendig getüncht so reinUnd dann bemalt mit Farbenschein.Im ersten Garten sah man stehnIn der Mitte einen Brunnen schön,Der war gemacht von Marmelstein,Weissglänzend wie ein Helfenbein,Mit vier vergoldeten Röhren gross,Daraus das Wasser reichlich schoss,Oben darauf ein Weibesbild schön,Künstlich mit einer Krone zu sehn,Einen Kelch trug sie in rechter HandUnd an dem linken Arme standEin Crucifix, das thät sie halten.Aus dieses Brunnens Kasten waltenVier schöne Wasserbäche klar,Durchwässerten den Garten gar,Ob in dem Jahr kein Regen gekommen,