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1 (1881)
Seite
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FOUQUES SIGURD DER SCHLANGENTÖDTER. 243

Buchstaben, unvergänglich; wenn gleich in ihrer Bedeutung nurgeahndet. So bleibt der kecke, freche Trotz Sigurds gegenden schlechten absichtsvollen Reigen, dieses unbewusste Vorgefühl,dass er nicht aus Liebe zu ihm, sondern zu seinem Zwecke dieKlingen schmiede, bei seiner Gütigkeit zur Mutter im Vor-spiele sehr fest und bestimmt in der Seele, und manches, wasspäterhin in seinen Reden nicht ganz zu seinem Wesen passenmöchte, wird davon erstickt. Auch das erste Lied in derSchmiede bewegt sich freier und reicher, als manche der fol-genden, die besonders beim Vorlesen besser zu überschlagensind. Sehr nachdenklich machte uns das Hauptmotiv des Werks,wie Chriemhildis durch ein künstliches Vergessenmachen derVergangenheit das Glück der Ihren neu begründen möchte undsie alle dadurch vernichtet; denn wie häufig ist nicht der Frevel-muth, der zu ganzen Nationen ausruft: was Ihr in früherer Ver-fassung an Glück besessen und erstrebt, ist alles nichts, vergesstEure alte Liebe und Treue und Ihr könnt ein neues Lebenanfangen, bauet Euer Schicksal in einem neuen Volke, und dieeinheimische Noth drückt Euch nicht mehr. Aber die ohn-mächtige Täuschung verschwindet, nachdem ihm die alte LiebeBrynhildis wieder erschienen, und es möchten in vielen Zeitengar manche mit Sigurd ausrufen: Wehe mir, ich wache; ver-pfändet ist meine Lieb, mein Wort ist gebrochen, nun hältmich Treue hier, reisst dort mich hin. Jetzt spür' ich es, mitargem Zaubertrank ward ich bethört, gewann für andre die,so all mein Leben war! Wir fühlen es besonders, wie nothwendigTrug aus Trug stammen müsse, als Sigurd aus Freundschaftgegen seine unnatürlichen Bundesgenossen sogar seine redlicheGestalt umtauschen muss, sein eignes Weib einem andern zugewinnen. Wir fühlen es so nothwendig, wie sich das Böseimmer zerstört, dass der getäuschte Überläufer mit dem täuschen-den Freunde untergehen muss, und nichts ist mehr zu schreck-lich, um diesen unnatürlichen Bund auszulöschen, da wird derGetäuschte im Schoosse der Gattin von seinem Bundesgenossenumgebracht, doch das Racheschwert ereilt noch diesen aussterbender Hand, und Brynhildis verbrennt sich dem zu Ehren,dessen Tod sie rächend abgenöthigt. Alles wird uns so wahr,

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