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schuldig und gerad erzählen. Die dramatische Form zog diemoderne Reflexion, den Witz der Antithesen nach sich. Sodannrwir glauben, dass jedes echte Gedicht allegorisch sei im höhernSinn, d. h. die Idee des Lebens, den ewigenJWeltgeist_aus-drücke, die alte Zeit mit unschuldiger Bewusstlosigkeit, dieneue öfter mit Bewusstsein es aussprechend. Das erste Eposjeder Nation hat einen tragischen Charakter (die Ilias war früher rals die Odyssee), wie der Untergang von Troja, der Burgunden,Rolands, und niemand wird in dem Nibelungenlied dieses Tra-gische, das Walten des Schicksals verkennen. Nun ist es merk-würdig, wie dies deutlicher in dem modernen musste gemachtwerden durch die Einführung der drei Schicksalsgöttinnen, derNornen. Wir haben an sich nichts dagegen, und sie könntenihr Auftreten wohl entschuldigen, wenn sie es nur thäten, aberso stehn sie wenig eingreifend in das Ganze da.
Diese Bemerkungen, aus der Vergleichung mit der altenSage entstanden, sollen nicht ins Einzelne gehen und schliessenmit dem zusammengefassten Urtheil: die wenigen, welche diealte Sage kennen, werden erwarten, dass ein anderer das alteEpos glänzender, freier und lebendiger einführen werde, denndaran ist kein Zweifel, dass jetzt ein Vergessen und Hintan-setzung seiner Herrlichkeit unmöglich ist, aber*) die grössereZahl, d.h. alle jene, die theils wegen der Seltenheit nordischerSagensammlungen (die mit Unrecht bisher von den deutschenÜbersetzern vergessen worden sind), theils wegen Schwierigkeitder Originalsprache und Unbrauchbarkeit der entstellenden latei-nischen beigefügten Übersetzungen von dem Studiren der Ur-quellen abgehalten werden, ohne ihr Interesse jener Zeit zuversagen, und alle jene, die den ersten Eindruck dieser furcht-baren alten Zeit aus diesem Werke empfangen, werden dank-barer gegen den Verfasser sein, der ihnen diese wunderbare Weltaufgeschlossen, von den [der] einzeln[e] Ansichten mit besondererEigentümlichkeit in der Erinnerung haften, wie die runischen
*) [Vermutblich beginnt hier der „Überschuh" Arnims; es ist nichts ineinander gearbeitet. Vgl. den Brief Wilhelms an Jacob Grimm vom 18. Sept.1809 und den Arnims .an W. Grimm vom 2. Aug. 1809.]