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1 (1881)
Seite
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FOUQUES SIGUKD DER SCHLANGENTÖDTER. 241

auch von der Deutschheit binden. Es ist eine schöne Gesinnung,welche die Zueignung äussert, allein das Deutsche soll da nichtsBesonders sein, ein besonderer Ton, den man zuweilen anstimmt,etwa wie man von einer besonderen Art Finken in dem Thüringer-wald nach der Kunstsprache sagt, dass sie deutschen Pfiff haben.Ist die Poesie die Ausgiessung des heiligen Geistes, so ist auch~lüber jeden Dichter gekommen, in welcher Zunge er reden soll. \So meinen wir nicht, dass der Verfasser es gut gemacht, wenner bloss die nordischen Silbenmasse der Skalden für deutschund schicklich gehalten zu den Liedern, die, wie wir gestehn,uns dem grössten Theil nach (das Lied, das die SchwalbenSigurd vorsingen, wie er Faffners Herz gegessen, ist aus derJüngern Edda) leer und schlecht vorgekommen sind, gar nichtin dem mächtigen nordischen Geist. Gegen den unbedeutendenGesang der drei Nornen halte man einmal das alte Lied derSchlachtgöttinnen (bei Herder übersetzt [IV, 9]), das voll inner-lichen Grausens ist, als zische das Schwert des Schicksals durchdie Lüfte. Wozu haben wir uns die schwere Mühe gegeben mitden griechischen, italienischen, spanischen Formen, wenn wirsie nicht brauchen dürfen auf den Fall, wo wir einmal deutschzu dichten gedenken, welches wir immer sollten, so es Ernstist mit der Poesie. Die Ansicht ,ist im Grund nicht schlechter,als der Campische Purismus in der Sprache, man nehme, wiein diese, nur herein, was eben geht, alles Unpassende stösstsich von selbst wieder aus, wie sich geschichtlich in einer Mengevon Beispielen zeigen lässt. Wir sind einmal modern, undunser Gutes ist es auch, warum soll, was unsere Zeit errungen,sich nicht äussern dürfen und ist es möglich sie zu verleugnen?Und betrachten wir unser Gedicht mit dieser Rücksicht, sofinden wir Eigenthümlichkeiten, welche die Frage verneinen.Erstlich die veränderte Form. Es ist sehr charakteristisch, statt Ider alten der Erzählung die modernere j dramatische zu finden |durchaus als Bedürfnis, da sie nicht zugleich für das Theatereingerichtet ist (wiewohl theatralisch, wie der Vorhang, der vorBrynhildens Todtengerüst aufgezogen wird). Sie ist der Ein-fachheit der Erzählung gerade entgegengesetzt, und unsere Zeitkann sich in den schwersten Gesetzen bewegen, nur nicht uu-

W. GRIMM, KL. SCHRIFTEN. I. 16