DIE LIEDER DER ALTEN EDDA. 219
Speise. Da kam Siegrun, Haugnis Tochter, die Walkyre, inLuft und Wasser geritten 1 ) zu Helges Schiffen und sprach:)
„Wer lässt die Flotte fliessen am Strand? Wo habt Ihr,Helden, Heimath? Was weilet Ihr in Braunawag? Wohinlüstet's Euch, zu nehmen den Weg?" — Da sprach Helge:„Hamal lässt fliessen die Flotte am Strand, Heimath haben wirzu Zlessei, des Windes wegen weilen wir zu in Brunawag, nachOsten lüstet's uns, zu nehmen den Weg." — Siegrune sang: „Wohast Du, o König, den Kampf geweckt? Wo die Vögel derKriegsschwestern gesättigt? Wie ist Deine Brynie (Panzer) vonBlut so roth? 2 ) Wie issest Du Rohes unter den Helmen?" —Helge sprach: „Am Westensee that's der Ylfingersohn, so Dich'szu wissen gelüstet; Bären fieng ich in Bragalund und Adler-blut sättigte ich mit Spiessen. 3 ) Nun hab' ich gesagt, Jung-frau, wie es ergangen ist. Darum wurde wenig Gebratenes ge-gessen am Strand."
(Siegrun antwortete, sie wisse wohl, was er mit diesendunkeln Reden sagen wolle, Hunding sei gefallen durch Helge,in Walrunen erzähle er des Krieges Spiel; aber sie habe ihnschon vor den Langschiffen gesehen, wie er in Blutes Spurgewandelt und die urkalten Wogen um ihn gespielt; der Königwolle sich vor ihr bergen, sie kenne ihn wohl. — Nun wirderzählt, dass Haudbrodd, Granmars Sohn, um Siegrune gefreithabe, sie aber alsbald durch Luft und Wasser geritten sei, umHelge zu suchen. Helge führte Krieg mit Hundings Söhnen;streitmüd fand sie den Helden sitzen unter Aarstein (Adler-stein). Da fiel sie ihm um den Hals, küsste und nahm ihn beider Hand, des Herren Sinn stand nach dem Weib, sie liebte
x ) Auch im Deutschen wird reiten für schiffen gebraucht. S. Joh. MüllersSchweizer-Geschichte III, 98. No. 220. Scherz und Ihre in den Wörternreiten und rida.
2 ) Wer denkt hier nicht an den Eingang des schönen schottischen Liedes:Wie ist dein Schwert von Blut so roth, Eduard?
3 ) Ei'innert an eine merkwürdige Parallelstelle in dem herrlichen alt-slavischen Liede von Igor (Müllers Übers. S. 36), das man zwischen die Edda'-schen und Ossian'schen Gesänge stellen kann. Bären fangen und Adler sättigensind, wenn man will, bloss poetische Ausdrücke für: kämpfen, kriegen.