218 NATURPOESIE.
oder den Wolsungen einen der Kürze wegen vieles übergehendenAuszug zu geben, welche ihren Gang und ihre Natur wirdwenigstens erkennen lassen (für die poetische Betrachtung folgtnachher ein Bruchstück), zumal da so eben Gräter, der eineAbschrift von dem zweiten Helgelied aus dem VidalinischenCodex erhalten 1 ), durch Bekanntmachung einiger Strophen dieAufmerksamkeit darauf gerichtet hat.
III.
AUSZUG DES DRITTEN HELGELIEDS.
(König Siegmund und Burghild von Bralund hatten einenSohn, den nannten sie Helge nach Helge, Hiorvards Sohn, undHagal war sein Zuchtmeister. König Siegmund und die seinesStammes hiessen Wolsunger oder Ylfinger und führten Kriegmit König Hunding. Eines Tags war Helge heimlich und un-kenntlich an Hundings Hof gekommen und hatte sich erst beimWeggehen durch einen Hirtenjungen offenbart. Nun sandteHunding und Hess Helge aufsuchen, der sich auf keinem andernWege zu retten wusste, als dass er einer Magd Kleider anzogund in die Mühle gieng. Da suchten sie Helge und fanden ihnnicht. Blind, der unheilvolle (Baulvisi) sang:)
„Was hat die Mahlmagd für scharfe Augen! Die ist nichtaus gemeinem Stande, die Steine springen, die Mühle zerbricht.Hart ist's, dass ein Königssolin Gerste mahlen muss, dieser Handziemte Schwertesgriff besser, denn Mandelbaum?" 2 ) — Hagalaber antwortete und sprach: „Kein Wunder ist's, dass die Mühlekreischt, wann des Königs Magd den Mandel rührt: über denWolken schwebte sie und kämpfte gleich Helden, eh sie Helgegefangen machte, darum hat die Magd so grosse Augen."
(So entkam Helge, fuhr in den Krieg und tödtete KönigHunding, seit welcher Zeit er Helge Hundingstödter hiess. ZuBraunwag lag er mit dem Heere, da hielten sie und assen rohe
') Heidelb. Jahrb. 1811. No. 63.
*) Die Handhaben an der Mühle; -wir Deutsehe nennen noch jetzt einähnliches Werkzeug: Mandelholz.