DIE LIEDER DER ALTEN EDDA. 217
gestur-Saga enthielt, wahrscheinlich dazu gehörte, war es schonklar, dass sie ganz eigentlich jene grosse Dichtung, die einEigenthum aller Völker germanischer Abkunft scheint gewesenzu sein, begriffen. Sollte die historische Forschung über dieseeinen glücklichen Erfolg haben, so kam alles darauf an, dassdiese Lieder bekannt wurden; ausserdem war gewiss eine reineund herrliche Poesie darin wieder zu entdecken.
Der Eifer für die Sache liess uns verschiedene Versuchezur Erlangung dieser köstlichen Denkmäler anstellen. DasMisslingen derselben macht uns jetzt doppelt erkenntlich für dieGewährung unseres Wunsches. Dem Wohlwollen des HerrnGrafen von Hammerstein, königl. westfälischen Gesandten inDänemark, wie seiner eignen Neigung zu dem Studium derdeutschen Alterthümer verdanken wir eine vollständige und ge-naue Abschrift dieser Eddaischen Lieder, von deren Herausgabewir hier das Publikum benachrichtigen. *)
Es sind im Ganzen dreizehn Gesänge mit folgenden Über-schriften: das erste Lied von Helge Hundingstödter; das zweiteLied von Helge Hundingstödter oder von Hiovardur und Si-girlin; das dritte Lied von Helge Hundingstödter oder von denWolsungen; vom Tode Sinfiotlis; vom Tode Jaffners oder Bryn-hildurs Lied; Brynhildurs Weissagung oder Sigurdurs Lied; Bryn-hildurs Todesfahrt; Gudrunas Lied, das erste; Gudrunas Lied,das zweite; Niflungenlied; Atlis Lied; das grönländische Liedvon Atlis Tod 2 ); Völundurs Lied. Jedes Lied besteht für sich,alle zusammen aber bilden einen grossen Cyklus, in welchem jeneStammsage in der eigenthümlich nordischen Form, würdig ihrerselbst, nach ihrer Bedeutung und Herrlichkeit dargestellt ist. Hiererblicken wir sie in einer sehr frühen Gestaltung, unbedenklichmehrere Jahrhunderte früher als unser Nibelungenlied. Selbsteine kurze Analyse dieser einzelnen Gesänge würde hier zu weitführen; wir begnügen uns daher nur vom dritten Lied von Helgi
') Sie werden in dem Cotta'sehen Verlag unter dem Titel: Lieder deralten Edda erscheinen. [Die Sache zerschlug sich, vgl. Görresbriefe II,272 ff. 285. 298. 310 f. Der erste und einzige Band erschien ohne Glossarund Commentar 1815 in Berlin in der Realschulbuchhandlung.]
2 ) Unter Grönland wird hier eine Gegend von Norwegen verstanden.