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Es fehlt auch nicht an Versuchen das Ganze als eine Ver-fälschung darzustellen. Wendelinus in praefat. ad LL. Salic.glaubt, dass in den gestis Francorum zuerst die Fabel sei erdichtetworden. Schilter, der am gelehrtesten darüber spricht in der5ten Anmerkung zu Könighovens Chronik, kann sich nichtanders helfen, als dass er den Fredegar geradezu beschuldigt(S. 470), er habe den Gregorius Turonensis verfälscht, welcherL. II, c. 9. ebenfalls von den Franken sagt: tradunt enim multi,eosdem de Pannonia fuisse digressos. Et primum quidem littora,Rheni amnis incoluisse: dehinc transacto Rheno Thoringiamtransmeasse: ibique iuxta pagos vel civitates reges crinitos(Adliche) super se creavisse de prima et ut ita dicam nobiliorisuorum familia; ohne jedoch der trojanischen Abkunft zu er-wähnen. Eccard (commentarii de rebus Franciae Orientalis T. 22)meint, dass die Sage entstanden, weil ein fränkischer KönigPriamus geheissen. Suhm (om Odin S. 79) hält nach Schö-nings Vorgang (om Norskes Oprindelse S. 264) die Fabel keinerBetrachtung werth und glaubt, dass sie durch den Dares Phry-gius aufgekommen. * In dem altrussischen Igorlied (herausge-geben von Müller) kommt S. 35 und 42 die Fährte Trojansund das Zeitalter Trojans vor; höchst wahrscheinlich, obgleichder Herausgeber es anders zu erklären versucht, bezieht sichdies auf die alte Sage von der trojanischen Abkunft der Völker.*)
Übersehen wir alle Stellen aber, welche auf diese Sagehindeuten, so werden diese Meinungen sämmtlich widerlegt;denn es ist offenbar, dass sie aus einem Volksglauben entstan-den, nicht durch Verfälschung der Geschichtschreiber. Nochdeutlicher wird dies, wenn wir bemerken, wie bei andern Völ-kern ein gleicher geherrscht. Lucanus sagt von den Avernern,einem celtischen Volk, Pharsalia I, 427:
— ausi Latio se fingere fratressanguine ab Iliaco populi.
* Wie bei den Römern diese Sage gegolten, darüber sehe manNiebuhrs gelehrtes Werk Bd I, besonders 133. 134. 108 usw.*).
*) [Die drei mit Sternen bezeichneten Einschaltungen sind aus den „Zu-sätzen und Verbesserungen" in den Drei altschottischen Liedern, Heidelberg1813, S. 55 aufgenommen.]