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1 (1881)
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TROJANISCHE ABKUNFT DER FRANKEN. 209

Etwas Ähnliches kommt ebenfalls in dem Loblied auf denheiligen Anno vor. Es wird erwähnt [V. 327 ff.], dass, nachdemAlexander zu Babylonien gestorben, vier seiner Männer sich indas Reich getheilt, die übrigen seien in der Irre gefahren; einTheil aber sei auf Schiffen herab zur Elbe gekommen (V. 334.335.) [331. 332]. Merkwürdig aber ist, was damit übereinstim-mend Witechind sagt im 1 sten Buch der Gesta Saxonum: er habein seiner Jugend jemand behaupten gehört, die Sachsen kämenvon den Griechen her und wären Überbleibsel des nach Alexan-ders Tod in alle Welt zerstreuten macedonischen Heers. Auchwird in dem prosaischen Roman von Alexander dem Grossen, nachHartliebs von München Übersetzung (f. 88\ ed. 1514), gesagt,dass nach dem Tode Alexanders Ptolomäus mit den Griechendurch Russland, Littauen und Preussen nach Sachsen gezogenund sich daselbst niedergelassen. Ich will hier nicht in meinenVortheil ziehen, was Tacitus (de mor. German. c. 3.) anführt,dass die Germanen glaubten, Ulvsses sei nach langen Irrfahrtennach Deutschland gekommen, weil er nur vergleichungsweisekönnte genannt sein.

Es versteht sich, dass man bei den spätem Historikern dieSage wiederfindet. Vincentius Bellovacensis in dem speculumhistoriale und Martinus Polonus in seiner Chronik, beide aus dem13. Jahrhundert, erzählen sie. Sodann Lupolt von Bebenburg:de iuribus regni et imperii Romanorum (Schardii collectio de po-testate imperiali et ecclesiastica L. Y.) und Königshoven in derElsass. Chronik c. 4, §. 1, beide aus dem 14. Jahrhundert und aufdenEusebius (d. h. Prosper Aquitanus) sich berufend. Auch AnniusViterbensis aus dem 15. Jahrhundert in seinem commentarius anti-quitatum L. XVII, fol. 151. führt an, dass Francus, ein Nachkommedes Hektors, über die Celten geherrscht. Er stützt sich auf denBerosus (der aber falsch und von ihm erdichtet sein soll, der echtelebte um 276 vor Christus) und auf den Vincentius Bellovacensis.Heinr. Valesius in notis ad excerpta Peiresc. p. 75. erwähnt derSage als allgemein bei guten Schriftstellern. * Die Facetiae Bebelii(L. 111, p. 186. Amstelod. 1651) enthalten eine Erzählung, wonachein Fürst sich seiner trojanischen und römischen Abkunft rühmt,man sieht daraus, wie lang dieser Glauben fortgedauert*).

W. GRIMM, KL. SOHEIF1EN. I. 14