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1 (1881)
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ALTDÄNISCHE HELDENLIEDER. 193

der Könige getreten und hat nicht bloss im Krieg ihnen bei-gestanden. So hat uns die Geschichte von der Königin Dagmarkaum den Namen erhalten, da die Lieder uns ihr frommes Lebenentfalten, auf welchem der Glanz eines reinen Himmels liefft(wie auch ihr Namen: Tagfrau andeutet), und welches einbesseres Bild jener Zeiten giebt, als die kalten Beschreibungender Historiker von einer ganzen Königsregierung.

Was wir überhaupt in all diesen Liedern lieben, das istdie Lust des Herzens, die darin spricht, die trauert oder sichfreut. Wir müssen sie als das Höchste achten, weil aus ihrallein entspringt, was man durch Leben, Wahrheit, Schönheit,Poesie oder sonst ausdrücken will.// Das ist der grosse Unter-schied der Volksdichtung vor der Kunst, dass sie keine Wüstenkennt, sondern die ganze Welt grün, frisch und entzündet glaubtvon Poesie, dass sie weiss, es werde doch alles von dem Himmelumfasst und nichts sei ungezählt; auch kein Haar auf demHaupt. Darum sagt sie nichts, als was nothwendig, was wirk-lich bezeichnet, und verschmäht allen äussern Glanz (wie diesingenden Vögel einfarbig sind); darum ist sie auch, unbeküm-mert um den Zusammenhang, abgebrochen und fällt doch nieheraus. Mit der Kunst aber ist es anders, sie hat zu besorgen,man möge den Zusammenhans: nicht erkennen, weil sie an eineLeere und Unpoesie glaubt, darum will sie alles sagen, nichtbloss andeuten und fast mehr sein als ihr Gegenstand, vor demsich die Volksdichtung immer demüthigt; darum quält sie sichin der Beschreibung und Umschreibung des Kreises, den sienicht ausfüllen kann und der immer wieder von einander fällt.So konnte, nach der indischen Mythe, die Göttin Mariatale dasWasser ohne Gefäss in eine Kugel zusammengeballt tragen, aberes zerfioss, als sie die Unschuld ihrer Gedanken verlor.

Soviel von dem Geist dieser Lieder; wir haben nun nocheiniges von ihrer Verwandtschaft mit benachbarter Poesie undvon ihrer äusseren Structur zu bemerken. Auffallend nämlichist es, wie sie den englischen ähnlich sind, sowohl an Tiefe undWeltansicht, als in der äusserlichen Darstellung. Nur scheintes, als ob die englischen, als später gesammelt, ausgebildeter,aber auch breiter wären. Es lässt sich diese Übereinstimmung

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